Englisch ist die Nummer eins. Das wissen alle. Aber was ist mit Französisch, Italienisch und Spanisch in Österreich? Wer lernt sie noch? Warum fallen die Zahlen bei Französisch, während Spanisch immer beliebter wird? Und warum lernen Menschen in der Steiermark so viel Italienisch, als ob sie direkt an der Grenze wären?
Im Schuljahr 2022/2023 bekamen fast alle Schüler in Österreich Englischunterricht - 97,4 Prozent. Das ist kein Zufall. Englisch ist die Sprache des Internets, der Musik, der Jobs. Aber hinter dieser Monotonie verbirgt sich ein komplexes Bild. Denn während Englisch dominiert, kämpfen die romanischen Sprachen um ihre Existenz - und manchmal gewinnen sie.
Warum Französisch verliert - und wer es noch lernt
Französisch war früher die Sprache der Bildung, der Diplomatie, der Kultur. Heute ist es die Sprache, die langsam verschwindet. Zwischen 2015 und 2023 sank die Zahl der Französisch-Schüler von 125.000 auf 108.000. Das ist ein Rückgang von über 13 Prozent. In manchen Schulen gibt es gar keine Französisch-Klassen mehr. Warum? Weil Schüler und Eltern nicht mehr sehen, wozu sie das brauchen. Italienisch? Spanisch? Die klingen praktischer. Nächste Reise? Nach Barcelona. Oder Rom. Nicht nach Paris.
Doch es gibt Ausnahmen. In der Erwachsenenbildung bleibt Französisch stabil. Wer in Wien, Salzburg oder Graz einen Kurs an der Volkshochschule bucht, findet immer noch Französisch auf dem Programm. Nicht weil es leicht ist, sondern weil es noch immer mit Kultur, Literatur, Mode und Kunst verbunden ist. Wer ein Buch von Camus liest, einen Film von Godard sieht oder in Lyon arbeitet - der lernt Französisch. Aber das sind nur wenige. Im Schulsystem ist es fast verschwunden.
Italienisch: Die unsichtbare Macht
Italienisch ist die überraschende Geschichte. In der Steiermark lernen 24 Prozent der Schüler Italienisch - mehr als Französisch und Spanisch zusammen. Warum? Weil die Grenze nah ist. In Südsteiermark, in der Region um Feldbach und Graz, sprechen viele Familien Italienisch. Oder haben Oma und Opa aus dem Trentino. Die Sprache ist nicht nur ein Fach, sie ist Teil der Familie. Und das spiegelt sich in den Zahlen wider.
Nicht nur in der Steiermark. Auch in Kärnten, in Tirol, in Vorarlberg - überall dort, wo Italien nah ist, lernen Menschen Italienisch. In der Volkshochschule in Klagenfurt gibt es mehr Italienisch-Kurse als Französisch-Kurse. Und das nicht nur für Kinder. Erwachsene, die ihre Wurzeln entdecken, oder Touristiker, die im Süden arbeiten, wählen Italienisch. Es ist keine Mode. Es ist eine Verbindung.
Spanisch: Die aufstrebende Kraft
Spanisch gewinnt. Langsam, aber sicher. In Wien, in Linz, in Innsbruck - überall steigt die Nachfrage. Warum? Weil es nicht nur um Spanien geht. Es geht um Lateinamerika. Um Mexiko, Kolumbien, Argentinien. Um Musik, um Film, um Migration. In Österreich leben Tausende Menschen mit spanischer Muttersprache. Und ihre Kinder lernen Spanisch, nicht weil sie es müssen, sondern weil sie es wollen.
Im Gegensatz zu Französisch ist Spanisch kein Erbe. Es ist eine Zukunft. Wer heute Spanisch lernt, lernt nicht nur eine Sprache. Er lernt, wie man mit 500 Millionen Menschen spricht. Wer im Tourismus arbeitet, wer im Handel, wer in der Pflege - Spanisch ist praktisch. Und deshalb steigt die Zahl der Lernenden. Im Schulsystem ist es noch nicht an zweiter Stelle. Aber es ist auf dem Weg.
Die Regionen: Warum das Bundesland entscheidet
Die Sprachenwahl in Österreich hängt nicht vom Lehrplan ab. Sie hängt vom Bundesland ab. In der Steiermark ist Italienisch stärker als Französisch. In Wien ist Spanisch auf dem Vormarsch. In Vorarlberg lernen viele Deutsch als Fremdsprache - weil so viele aus der Schweiz oder Südtirol kommen. In Oberösterreich gibt es mehr Sprachkurse als in jedem anderen Bundesland - aber meistens Englisch.
Die Zahlen zeigen: Wer in Graz wohnt, hat andere Chancen als wer in Eisenstadt lebt. In Wien gibt es 48 Sprachen auf dem Angebot der Volkshochschule - von Vietnamesisch bis Armenisch. In anderen Bundesländern sind es 15, 20, höchstens 25. Das bedeutet: Wer in Wien wohnt, hat mehr Auswahl. Wer in einem ländlichen Gebiet lebt, hat oft nur Englisch. Und vielleicht Französisch - wenn es noch Lehrer gibt.
Die Mehrsprachigkeit: Ein Traum, der nicht wahr wird
In der EU lernen die meisten Schüler zwei Fremdsprachen. In Österreich? Nur 8,8 Prozent. Das ist der niedrigste Wert in der EU - nur Ungarn ist noch schlechter. Warum? Weil die Schulen sich auf eine Sprache konzentrieren: Englisch. Die anderen Sprachen sind nur ein Bonus. Ein Option. Ein Nachmittagskurs. Nicht mehr.
Doch was passiert, wenn ein Kind aus Syrien kommt und Arabisch spricht? Oder aus der Türkei und Türkisch? Oder aus Serbien und Serbisch? Dann wird es nicht in Französisch, Italienisch oder Spanisch unterrichtet. Sondern in Deutsch als Fremdsprache. Und das ist richtig. Aber es bedeutet auch: Die Schule lehrt nicht Mehrsprachigkeit. Sie lehrt Anpassung.
Was bedeutet das für Schüler und Eltern?
Wenn du dein Kind in die Schule schickst, hast du eigentlich nur eine Wahl: Englisch. Alles andere ist Glücksspiel. Du musst in eine Schule gehen, die noch Französisch anbietet - und die gibt es immer seltener. Du musst in ein Bundesland ziehen, wo Italienisch oder Spanisch im Lehrplan steht - und das ist nicht überall möglich.
Wenn du als Erwachsener etwas lernen willst, ist die Lage anders. Die Volkshochschule bietet dir fast alles. Spanisch? Klar. Italienisch? Klar. Französisch? Klar. Und auch Portugiesisch, Polnisch, Türkisch. Aber das ist kein Schulunterricht. Das ist Freizeit. Das ist Hobby. Das ist nicht Teil deiner Bildungskarriere.
Die Realität ist einfach: Wer in Österreich heute eine zweite Fremdsprache lernen will, muss sie sich selbst suchen. Nicht die Schule. Nicht der Staat. Sondern du.
Was kommt als Nächstes?
Spanisch wird weiter wachsen. Italienisch bleibt stabil - vor allem in den Grenzregionen. Französisch wird weiter schrumpfen - außer in den Kulturzentren. Und Englisch? Es bleibt die Nummer eins. Für immer.
Doch wer jetzt handelt, hat eine Chance. Wer in der 5. Klasse Spanisch wählt, hat später bessere Chancen im Tourismus, in der Wirtschaft, im Handel. Wer Italienisch lernt, hat Zugang zu einem kulturellen Raum, der nah ist - und der nicht nur aus Pasta und Pizza besteht. Wer Französisch lernt, lernt eine Sprache, die zwar kleiner wird - aber immer noch die Sprache der Literatur, der Philosophie und der Kunst ist.
Es ist nicht mehr um die Zukunft gegangen. Es ist um die Wahl. Und diese Wahl wird nicht mehr von der Schule getroffen. Sondern von dir.
Warum lernen so wenige Schüler Französisch in Österreich?
Französisch wird immer seltener gewählt, weil es als weniger praktisch gilt. Schüler und Eltern sehen keinen direkten Nutzen - kein Urlaubsland, kein Jobmarkt, keine Medienpräsenz. Im Gegensatz dazu ist Spanisch mit Lateinamerika verbunden, Italienisch mit der Nähe und der Kultur, Englisch mit der globalen Welt. Französisch bleibt nur in Kulturzentren wie Wien oder Graz relevant - aber nicht mehr im Schulalltag.
Warum ist Italienisch in der Steiermark so beliebt?
Weil die Grenze zu Italien nur wenige Kilometer entfernt ist. Viele Familien haben italienische Wurzeln - aus Südtirol, dem Trentino oder dem Veneto. Die Sprache wird nicht nur in der Schule gelernt, sondern auch zu Hause gesprochen. Das macht Italienisch nicht nur zu einer Fremdsprache, sondern zu einem Teil der Identität. Deshalb ist es in der Steiermark stärker als Französisch.
Lernen Schüler in Österreich mehr als eine Fremdsprache?
Nein. Nur 8,8 Prozent der Schüler im Sekundarbereich lernen zwei oder mehr Fremdsprachen. Das ist der niedrigste Wert in der EU. Die meisten Schulen konzentrieren sich auf Englisch als einzige Fremdsprache. Andere Sprachen wie Französisch, Italienisch oder Spanisch sind nur optional und oft nur an wenigen Schulen verfügbar.
Ist Spanisch wirklich beliebter als Französisch in Österreich?
Ja, in der Erwachsenenbildung und bei der Wahl der Schüler steigt Spanisch deutlich. In der Steiermark lernen mehr Schüler Spanisch als Französisch. In Wien ist Spanisch eine der am schnellsten wachsenden Fremdsprachen. Französisch hingegen verliert seit Jahren Schüler. Die Motivation ist anders: Spanisch steht für Reisen, Kultur, Migration - Französisch für Tradition, die immer weniger relevant wird.
Was ist der Unterschied zwischen schulischem und außerschulischem Sprachenlernen?
In der Schule geht es um Pflicht: Englisch ist fast überall Pflicht, andere Sprachen nur selten. In der Volkshochschule geht es um Interesse: Hier lernen Erwachsene Italienisch, um mit ihren Großeltern zu sprechen, Spanisch, um in Mexiko zu arbeiten, Französisch, um ein Buch zu lesen. Die Motivation ist anders - und deshalb bleibt Französisch in der Erwachsenenbildung erhalten, während es in der Schule verschwindet.