Im Jahr 2026/27 stehen in Österreich insgesamt 1.950 Studienplätze für Human- und Zahnmedizin zur Verfügung. Das ist 50 Plätze mehr als im Vorjahr. Diese Zahlen zeigen deutlich: Österreich baut systematisch die Zahl der Ärztinnen und Ärzte aus, um den steigenden Bedarf im Gesundheitssystem zu decken. Doch wie genau funktioniert die Vergabe? Und was muss man wissen, wenn man Medizin studieren will?
Wo gibt es Medizinstudienplätze in Österreich?
Die Studienplätze sind auf vier Institutionen verteilt. Jede hat ihre eigene Kapazität und Schwerpunkte:
- Medizinische Universität Wien: 784 Plätze (704 Humanmedizin, 80 Zahnmedizin)
- Medizinische Universität Innsbruck: 430 Plätze (380 Humanmedizin, 50 Zahnmedizin)
- Medizinische Universität Graz: 406 Plätze (370 Humanmedizin, 36 Zahnmedizin)
- Johannes Kepler Universität Linz: 330 Plätze (nur Humanmedizin)
Linzer Studierende können nur Humanmedizin wählen - Zahnmedizin gibt es dort nicht. Wien ist mit Abstand die größte Medizin-Fakultät, während Linz seit ihrer Gründung 2014 kontinuierlich gewachsen ist. Heute ist sie die viertgrößte Medizin-Station im Land.
Wie wird der MedAT abgehalten?
Der Medizinische Aufnahmetest (MedAT) ist das einzige Zugangsverfahren für alle vier Universitäten. Er findet jedes Jahr am 3. Juli statt - im Jahr 2026 also am 3. Juli 2026 - von etwa 8 bis 17 Uhr. Die Anmeldung dafür ist abgeschlossen: Die Frist endete am 31. März 2026. Wer sich nicht angemeldet hat, hat keine Chance mehr.
Der Test prüft nicht nur Wissen, sondern auch logisches Denken, Sprachverständnis und Konzentrationsfähigkeit. Er ist in vier Bereiche unterteilt: Biologie, Chemie, Physik, Mathematik und kognitive Fähigkeiten. Die Punkte werden addiert - es zählt nur der Gesamtwert. Wer am besten abschneidet, bekommt den Platz. Keine Matura-Note, kein Motivationsschreiben, kein Vorstellungsgespräch. Nur der MedAT.
Etwa 16.000 Menschen bewerben sich jedes Jahr - aber nur 80 Prozent davon treten tatsächlich zum Test an. Das heißt: etwa 12.800 Personen sitzen am Testtag in den Prüfungsräumen. Und davon werden nur knapp 2.000 einen Platz bekommen.
Wer hat Anspruch auf einen Studienplatz?
Österreich hat strenge Regeln, wer in die Medizin darf. Diese Regeln gelten nur für die Humanmedizin - bei Zahnmedizin ist die Verteilung flexibler.
Mindestens 75 Prozent der Humanmedizin-Plätze sind für Bewerberinnen und Bewerber mit einem österreichischen Maturazeugnis reserviert. Das sind die sogenannten „Österreicher-Quoten“. Weitere 20 Prozent sind für EU-Bürgerinnen und Bürger sowie Personen mit gleichem Status vorgesehen. Die letzten 5 Prozent bleiben für Bewerber aus Drittstaaten - also Ländern außerhalb der EU.
Das bedeutet: Ein Österreicher mit Matura hat eine viel höhere Chance als jemand aus Spanien oder Brasilien. Aber: Auch EU-Bürger haben eine echte Chance. Sie müssen nur den MedAT bestehen und sich rechtzeitig anmelden.
Was sind gewidmete Studienplätze?
Neben den regulären Plätzen gibt es 87 gewidmete Studienplätze - das sind besondere Plätze, die für bestimmte Berufsgruppen oder Behörden reserviert sind. Diese Plätze werden nicht über den MedAT allein vergeben, sondern durch Vereinbarungen.
Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) allein vergibt 13 dieser Plätze:
- Medizinische Universität Wien: 2 Plätze
- Medizinische Universität Graz: 4 Plätze
- Medizinische Universität Innsbruck: 5 Plätze
- Johannes Kepler Universität Linz: 2 Plätze
Um einen solchen Platz zu bekommen, muss man sich nicht nur beim MedAT anmelden, sondern auch eine Vereinbarung mit der ÖGK unterschreiben. Diese Vereinbarung verpflichtet dich, nach dem Abschluss mindestens fünf Jahre in einem öffentlichen Gesundheitsdienst zu arbeiten - zum Beispiel in einer Allgemeinmedizinischen Praxis, einem Krankenhaus oder einer Gesundheitsbehörde.
Zusätzlich muss man mindestens 75 Prozent der Testergebnisse aller Teilnehmer erreichen. Das ist kein einfacher Wert - das bedeutet, du musst zu den besten 25 Prozent gehören. Die Vergabe erfolgt dann durch die jeweilige Universität, nicht durch die ÖGK.
Wie hoch ist die Konkurrenz an den einzelnen Standorten?
Die Chancen variieren stark je nach Ort. Hier ist ein Überblick für das Studienjahr 2025/26 - die Zahlen für 2026/27 werden ähnlich sein:
| Standort | Humanmedizin | Zahnmedizin | Bewerber pro Platz | Erfolgsquote |
|---|---|---|---|---|
| Wien | 680 Plätze | 80 Plätze | 10:1 | 9,9 % |
| Graz | 346 Plätze | 24 Plätze | 7:1 | 14,3 % |
| Innsbruck | 380 Plätze | 50 Plätze | 7:1 | 12,5 % |
| Linz | 310 Plätze | - | 7:1 | 14,3 % |
Wien ist mit Abstand die härteste Herausforderung. Fast jeder zehnte Bewerber bekommt einen Platz. In Graz, Innsbruck und Linz ist die Konkurrenz etwas geringer. Wer dort seinen MedAT gut macht, hat bessere Chancen. Das ist kein Geheimnis - viele Bewerber wählen bewusst Linz oder Graz, weil sie dort höhere Erfolgsquoten haben.
Wie hat sich die Zahl der Plätze entwickelt?
Im Jahr 2013 gab es nur 1.560 Medizinstudienplätze in Österreich. Seitdem wurde kontinuierlich aufgestockt. 2024 waren es 1.900, 2025 blieb es bei 1.900 - und 2026/27 steigt es auf 1.950. Das ist kein Zufall. Österreich reagiert auf den Ärztemangel in ländlichen Regionen und auf die alternde Bevölkerung.
Die Zahl der Humanmedizin-Plätze stieg von 1.356 (2013) auf voraussichtlich 1.756 (2025). Linz hat sich von null auf 330 Plätze hochgearbeitet - eine der schnellsten Expansionen in der europäischen Hochschullandschaft. Die Prognose für 2028 sieht weitere Erhöhungen vor. Es ist klar: Die Politik will mehr Ärztinnen und Ärzte, nicht weniger.
Was passiert, wenn man den MedAT nicht besteht?
Der MedAT ist ein einmaliger Versuch pro Jahr. Wer nicht besteht, muss bis zum nächsten Jahr warten. Es gibt keine Nachprüfung, keine Ersatztermine. Wer sich nicht anmeldet, verliert den Platz. Wer den Test nicht schafft, kann nicht einfach nachträglich eine andere Universität wählen - die Plätze sind an den MedAT gebunden.
Einige Bewerber wiederholen den Test mehrfach. Aber: Jedes Jahr ist ein neuer Test mit neuen Fragen. Die Erfolgsquote sinkt mit jedem Versuch, weil die Konkurrenz immer jünger und besser vorbereitet wird. Es ist kein Weg, einfach „draufzuhauen“ und später nochmal zu versuchen. Planung ist entscheidend.
Was ist der nächste Schritt?
Wenn du dich für 2027/28 vorbereiten willst: Melde dich rechtzeitig an - die Frist ist immer Ende März. Übe mit offiziellen Übungstests, die du auf www.medizinstudieren.at findest. Die Website bietet nicht nur Informationen, sondern auch Musterfragen und Statistiken aus vergangenen Jahren.
Denk daran: Es geht nicht um perfekte Noten in Biologie. Es geht um Durchhaltevermögen, Konzentration und strategisches Denken. Wer sich nur aufs Auswendiglernen konzentriert, scheitert oft. Wer den Test als Logik- und Zeitmanagement-Übung versteht, hat die besseren Chancen.
Kann man sich für mehrere medizinische Universitäten gleichzeitig anmelden?
Ja, das ist möglich. Du musst dich nur einmal für den MedAT anmelden und kannst bei der Anmeldung alle vier Universitäten auswählen. Dein Testergebnis gilt für alle. Du bekommst dann nur einen Platz - und zwar den besten, den du mit deinem Ergebnis erreichen kannst. Wenn du in Wien und Graz angemeldet bist und in Wien einen Platz bekommst, fällst du automatisch aus der Warteliste in Graz.
Gibt es eine Altersgrenze für das Medizinstudium in Österreich?
Nein, es gibt keine Altersgrenze. Du kannst mit 17 oder mit 47 anfangen - solange du das Maturazeugnis hast und dich rechtzeitig zum MedAT anmeldest. Viele Studierende beginnen erst nach einer Berufsausbildung oder einem anderen Studium. Das ist normal und wird nicht benachteiligt.
Wie viele Menschen schaffen den MedAT jedes Jahr?
Im Durchschnitt schaffen etwa 1.800 bis 1.900 Personen den MedAT pro Jahr - das entspricht der Zahl der verfügbaren Plätze. Das bedeutet: Wer den Test besteht, bekommt meistens auch einen Platz. Die Schwierigkeit liegt nicht darin, den Test zu bestehen, sondern darin, unter den besten 1.950 zu sein. Die Konkurrenz ist hoch, aber der Test ist nicht unbestehbar.
Was passiert, wenn man einen gewidmeten Platz bekommt, aber später nicht die Vereinbarung erfüllt?
Wer die Vereinbarung mit der ÖGK oder einer anderen Institution nicht erfüllt, muss das Studium zurückzahlen. Das bedeutet: Du musst die Studiengebühren für die gesamte Dauer des Studiums zurückzahlen - das sind bis zu 7.500 Euro pro Jahr. Außerdem kannst du in Österreich nicht mehr erneut Medizin studieren. Die Regelung ist streng, aber klar kommuniziert.
Kann man mit einem ausländischen Maturazeugnis Medizin in Österreich studieren?
Ja, aber nur, wenn das Maturazeugnis als gleichwertig anerkannt ist. Dazu gehören EU-Maturazeugnisse, die in Österreich als „berechtigend“ gelten. Nicht alle ausländischen Abschlüsse werden akzeptiert. Du musst das Zeugnis vorab bei der Bildungsbehörde anerkennen lassen. Auch dann bleibt die Kontingentregelung: Nur bis zu 20 Prozent der Plätze sind für EU-Bürger reserviert. Die Konkurrenz ist also hoch - aber möglich.
10 Kommentare
Markus Paul
Die ganze Diskussion ist ein Theater. Medizin ist kein Sport, den man mit einem Test entscheidet. Wer wirklich helfen will, lernt jahrelang – nicht nur für einen Tag. Die Quoten sind ein Alibi. Die echte Krise: zu wenig Pflegepersonal, nicht zu wenig Ärzte.
Stefanie Barigand
Wie kann man nur so naiv sein? 75 % für Österreicher? Das ist nicht genug! Wir zahlen die Krankenhäuser, wir finanzieren die Ausbildung – und dann kommen die aus ganz Europa und schnappen sich die Plätze? Das ist ein Schlag ins Gesicht für jeden, der hier aufgewachsen ist. Deutsche, Polen, Ungarn – alle wollen was von unserem System. Aber wir geben nichts zurück. Das ist nicht fair.
Hayden Kjelleren
Ich hab das gelesen. Bin still. Keine Meinung. Nur beobachtet. Vielleicht später.
Hanna Kim
Ich find’s toll, dass mehr Plätze geschaffen werden – aber die Verteilung ist noch zu ungleich. Warum nicht mehr in ländlichen Regionen? Linz ist ein großer Schritt, aber warum nicht auch in Salzburg oder Klagenfurt? Die Medizin muss zu den Menschen kommen, nicht umgekehrt.
Nessi Schulz
Die Daten sind korrekt, aber die Interpretation fehlt. Der MedAT misst nicht medizinisches Wissen, sondern Testfähigkeit. Wer in Biologie 18 hat, aber unter Stress versagt, wird abgelehnt. Wer mit 14 Punkten in Chemie und 16 in Logik punktet, bekommt den Platz. Das ist kein Spiegel der Eignung – das ist ein Glücksspiel mit Formeln.
Steffi Hill
Es ist doch so einfach: Wer will, kann. Wer sich vorbereitet, hat eine Chance. Wer nicht, muss warten. Kein Drama. Kein Hass. Nur Fakten. Und Mut. 🌱
Christian Torrealba
Wir denken zu viel an Zahlen. Aber was ist ein Arzt eigentlich? Ein Mensch, der andere rettet. Ein Mensch, der nachts aufsteht. Ein Mensch, der Angst hat – aber trotzdem handelt. Der MedAT misst das nicht. Er misst, wie gut du dich an einen Tisch setzt und bleibst. Aber nicht, wie gut du jemanden tröstest. Das ist das Problem.
Torolf Bjoerklund
75% für Österreicher? LOL. Was ist mit den Kindern von Ausländern, die seit 30 Jahren hier leben? Die sind doch österreichischer als du, du Zyniker. Und wer sagt, dass ein Deutscher weniger wert ist als ein Wiener? Das ist Rassismus mit Statistik.
Stefan Johansson
Die ganze Geschichte ist ein billiger PR-Trick. 1.950 Plätze? Schön. Und wer bezahlt die 10 Jahre Ausbildung danach? Wer arbeitet in den ländlichen Kliniken, wenn alle nach Wien oder Zürich flüchten? Die Antwort: Die Pflegekräfte. Die werden wieder vergessen. Wie immer. 🤡
Christoffer Sundby
Wenn du den MedAT nicht schaffst, ist das kein Ende. Es ist ein Umweg. Viele erfolgreiche Ärzte haben erst nach Psychologie, Ingenieurwesen oder Sozialarbeit angefangen. Du brauchst keine perfekte Note. Du brauchst Ausdauer. Und einen klaren Kopf. Und jemanden, der dir sagt: Mach weiter. Ich glaube an dich. 💪