Wer heute in der Wissenschaft publiziert, steht oft vor einem Dilemma: Man möchte, dass die eigene Forschung weltweit und kostenlos zugänglich ist, aber die Veröffentlichungsgebühren bei vielen Open-Access-Journalen sind schlichtweg zu hoch. Genau hier setzen die Open-Access-Publikationsfonds finanzielle Unterstützungssysteme, die die Kosten für die Open-Access-Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten übernehmen in Deutschland an. Anstatt dass einzelne Forscher aus ihrem privaten Budget oder knappen Projektmitteln zahlen, springen Institutionen ein.
Wie das System der Publikationsfonds funktioniert
Das System in Deutschland ist dezentral organisiert. Das bedeutet, dass nicht eine einzige Stelle alles verwaltet, sondern die Mittel über viele verschiedene Universitäten und Forschungseinrichtungen verteilt werden. Ein zentraler Motor hinter diesem Ganzen ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft die größte Forschungsorganisation in Deutschland, die die koordinierende Rolle bei der Vergabe von Fördermitteln übernimmt (DFG). Die DFG stellt die Gelder bereit, überlässt die konkrete Verwaltung und die Entscheidung über die einzelnen Anträge aber den beteiligten Institutionen.
In der aktuellen Förderphase (2024 bis 2027) wird dieser Ansatz fortgesetzt. Das Ziel ist klar: Die Hürden für "Gold Open Access" zu senken, bei dem der Artikel sofort nach der Publikation für alle frei verfügbar ist. Dabei wird erwartet, dass die Institutionen den sogenannten DFG-Kodex umsetzen. Wer das nicht tut, bekommt die Mittel oft nur gesperrt bewilligt. Das zeigt, dass es nicht nur um Geld geht, sondern um eine grundsätzliche Strategiewende hin zu einer offenen Wissenschaftskultur.
Förderbedingungen: Was wird wirklich bezahlt?
Es gibt keinen einheitlichen „Festpreis“ für alle. Jede Universität setzt ihre eigenen Regeln, basierend auf den DFG-Rahmenbedingungen. Meistens unterscheiden die Fonds zwischen Zeitschriftenartikeln (Article Processing Charges, APC) und Büchern (Book Processing Charges, BPC). Damit ein Antrag Erfolg hat, müssen in der Regel folgende Kriterien erfüllt sein:
- Open-Content-Lizenz: Die Arbeit muss unter einer freien Lizenz stehen, meistens Creative Commons CC BY eine Standardlizenz, die es anderen erlaubt, das Werk zu teilen und zu bearbeiten, sofern der Urheber genannt wird.
- Qualitätssicherung: Die Publikation muss durch einen Peer-Review-Prozess gegangen sein.
- Zugehörigkeit: Der Corresponding Author muss an der jeweiligen Institution ansässig sein.
- Subsidiarität: Man muss nachweisen, dass keine anderen Mittel (z.B. aus einem spezifischen Projektzuschuss) verfügbar sind. Der Fonds ist das letzte Sicherheitsnetz, nicht die erste Anlaufstelle.
| Institution | Max. Förderung (Artikel) | Max. Förderung (Buch) | Besondere Bedingung |
|---|---|---|---|
| FAU Erlangen-Nürnberg | Bis 1.400 € (brutto) | Bis 5.000 € (brutto) | Gesamtkosten max. 3.000 € |
| Goethe-Uni Frankfurt | Nach Bedarf | Bis 6.000 € (brutto) | Limitierte Anzahl an Büchern/Jahr |
| TU München (TUM) | Max. 1.000 € | Nicht spezifiziert | Listung im DOAJ erforderlich |
| HS Düsseldorf (HSD) | Nach Bedarf | Nach Bedarf | Max. 3 Publikationen pro Jahr |
Die Rolle des DOAJ und die Auswahl des Journals
Ein kritischer Punkt bei der Antragstellung ist die Wahl des Verlags. Viele Fonds, wie etwa an der TU München oder der Hochschule Düsseldorf, verlangen, dass die Zeitschrift im Directory of Open Access Journals ein Online-Verzeichnis, das wissenschaftliche Open-Access-Zeitschriften katalogisiert und deren Qualität prüft (DOAJ) gelistet ist. Das dient als Filter gegen sogenannte „Predatory Publishers“ - Verlage, die hohe Gebühren verlangen, aber keine echte Qualitätskontrolle durch Fachkollegen bieten.
Werden Editorials, Letters oder reine Comments geschrieben, ist die Chance auf Förderung gering. Die meisten Fonds konzentrieren sich auf „Research Articles“, „Original Papers“ oder „Review Articles“, da diese den höchsten wissenschaftlichen Erkenntniswert bieten. Wenn Sie also planen, ein kurzes Commentary zu schreiben, prüfen Sie vorher genau, ob dieser Artikeltyp überhaupt förderfähig ist.
Schritt-für-Schritt: So stellen Sie Ihren Antrag
Der Prozess variiert je nach Haus, folgt aber meist einem ähnlichen Muster. Damit Sie nicht in die Falle tappen, dass die Förderung nachträglich abgelehnt wird, sollten Sie diesen Ablauf befolgen:
- Prüfung der Finanzierung: Schauen Sie in Ihre Projektmittel. Haben Sie ein Budget für Publikationen? Falls ja, müssen diese Gelder zuerst aufgebraucht werden.
- Journal-Check: Prüfen Sie, ob das Ziel-Journal im DOAJ gelistet ist und welche Lizenz (z.B. CC BY) angeboten wird.
- Interner Antrag: Nutzen Sie das Webformular Ihrer Institution. Bei der TUM erfolgt die Antragstellung beispielsweise erst nach der Veröffentlichung, an anderen Orten muss die Zusage vorab vorliegen.
- Rechnungsstellung: Achten Sie darauf, ob der Fonds die Rechnung direkt an den Verlag zahlt (wie an der FAU bei Beträgen unter 1.400 €) oder ob Sie die Rechnung erst einreichen und dann erstattet bekommen.
Ein wichtiger Praxistipp: Vermeiden Sie „Kostensplitting“. Das bedeutet, dass Sie nicht versuchen sollten, Teile der Kosten aus verschiedenen Fonds zusammenzustückeln, wenn dies in den Richtlinien explizit untersagt ist. Das führt oft zu bürokratischen Problemen und Verzögerungen bei der Auszahlung.
Alternative Wege und ergänzende Unterstützung
Neben den institutionellen Fonds gibt es weitere Möglichkeiten. Die Europäische Kommission das Exekutivorgan der EU, das Förderprogramme wie Horizon Europe verwaltet macht Open Access in vielen ihrer Programme mittlerweile verpflichtend. Das bedeutet, dass hier oft bereits Budget für die Publikationskosten eingeplant werden muss.
Auch große Forschungsorganisationen wie die Fraunhofer-Gesellschaft oder die Max-Planck-Gesellschaft haben eigene Strategien und Mittelpools. Für einen schnellen Überblick über die verschiedenen Vorgaben verschiedener Mittelgeber ist die Plattform Publisso ein Informationsportal, das Wissenschaftlern hilft, die Open-Access-Vorgaben ihrer Geldgeber zu verstehen eine exzellente Ressource. Sie hilft dabei, die oft komplexen Anforderungen der verschiedenen Fördergeber in einem einzigen Tool zu vergleichen.
Kann ich als Einzelperson direkt bei der DFG einen Antrag stellen?
Nein, das ist nicht möglich. Die DFG verwaltet das Programm "Open-Access-Publikationskosten" auf institutioneller Ebene. Das bedeutet, die Gelder fließen an die wissenschaftlichen Einrichtungen (Universitäten, Institute), und diese verwalten die Ausschüttung an die einzelnen Forscher.
Werden Druckkosten für Bücher aus dem Fonds übernommen?
In der Regel nein. Die Publikationsfonds sind spezifisch für die Bereitstellung des Inhalts im Open Access gedacht (BPC). Produktionskosten wie der physische Druck von Büchern oder Layout-Gebühren werden meist nicht übernommen.
Was passiert, wenn die Publikationsgebühren die Fördergrenze übersteigen?
Das hängt von der Institution ab. Einige zahlen einen fixen Zuschuss (z.B. 1.000 €), und den Rest müssen die Autoren selbst tragen. Andere Institutionen, wie die FAU, übernehmen die Rechnung bis zu einer gewissen Grenze und stellen den darüber liegenden Betrag den Autoren in Rechnung.
Sind auch Doktoranden förderfähig?
Ja, grundsätzlich schon. Allerdings gibt es Besonderheiten: Wer beispielsweise an der Hochschule Düsseldorf promoviert und Mitglied im Promotionskolleg NRW ist, muss dort oft zuerst eine Förderung anfragen, bevor die institutionellen Mittel genutzt werden können.
Gilt die Förderung auch für Sammelbände?
Ja, viele Fonds unterstützen Sammelbände, allerdings oft mit anderen Obergrenzen als bei Monografien. So kann die Goethe-Universität Frankfurt beispielsweise eine maximale Förderung von bis zu 6.000 € brutto bewilligen, wobei die genaue Zuweisung pro Jahr limitiert ist.
Nächste Schritte und Fehlerbehebung
Wenn Ihr Antrag abgelehnt wurde, liegt das oft an einem dieser drei Punkte: Fehlende DOAJ-Listung des Journals, bereits vorhandene Projektmittel oder eine nicht passende Lizenz (z.B. nur eine kommerzielle Nutzung erlaubt). In diesem Fall sollten Sie zuerst das Journal wechseln oder die Lizenzbedingungen mit dem Verlag neu verhandeln.
Für alle, die gerade erst mit ihrer Publikationsplanung beginnen, empfiehlt es sich, den Kontakt zur eigenen Universitätsbibliothek zu suchen. Die Bibliothekare dort sind oft die eigentlichen Verwalter der Fonds und können Ihnen genau sagen, wie hoch die aktuelle Budgetauslastung ist und welche Chancen Ihr Antrag auf Erfolg hat.
1 Kommentare
Birgit Lehmann
Super hilfreich! Viele vergessen echt, dass die Bibs oft die besten Ansprechpartner sind. Man muss sich trauen, da mal hin zu gehen und einfach nachzufragen, ob noch Budget da ist, bevor man den Antrag überhaupt ausfüllt. Geht viel schneller als ewig Formulare zu wälzen!