Im Jahr 2026 steht Österreich vor einer der größten Reformen im Bildungssystem seit Jahren. Endlich wird erkannt, dass nicht alle Schüler mit denselben Chancen in die Schule gehen. Wer in einem Viertel mit niedrigem Einkommen, wenig Bildung der Eltern oder ohne Deutsch als Erstsprache aufwächst, hat es in der Schule oft schwerer. Nicht, weil er weniger will oder weniger kann. Sondern weil seine Schule weniger Geld hat. Und das ändert sich jetzt - langsam, aber wirklich.
Der Chancenbonus: Was ist das wirklich?
Ab dem Schuljahr 2026/27 gibt es den Chancenbonus eine bundesweite Fördermaßnahme, die 400 Schulen in Österreich mit zusätzlichen Mitteln versorgt, um Bildungsungerechtigkeit zu bekämpfen. Das ist kein kleiner Zuschuss. Es ist ein Systemwechsel. Jede dieser Schulen erhält durchschnittlich 162.500 Euro pro Jahr mehr. Das klingt viel - und ist es auch. Denn das entspricht etwa 580 Euro pro Schüler und Jahr. Und das Geld ist nicht starr. Die Schulen entscheiden selbst: Brauchen wir mehr Lehrkräfte? Mehr Schulpsychologen? Mehr sozialpädagogische Unterstützung? Kein Ministerium sagt ihnen, wie sie es ausgeben müssen. Sie dürfen flexibel reagieren - auf die echten Bedürfnisse ihrer Kinder.
Warum genau diese 400 Schulen? Die Auswahl basiert auf einer genauen Analyse der sozioökonomischen Lage, die die Statistik Austria berechnet. Das nennt man SÖL-Kategorien. Dafür werden Faktoren wie das Bildungsniveau der Eltern, das Einkommen, Arbeitslosigkeit und ob zu Hause Deutsch gesprochen wird, gewichtet. Schulen, wo viele Eltern nur die Pflichtschule abgeschlossen haben, wo viele Kinder keinen Deutsch-Grund haben oder wo Familien von Hartz IV leben - die bekommen den Bonus. Es geht nicht um die Anzahl der Migrantenkinder. Es geht darum, wie schwer die Rahmenbedingungen für die ganze Schule sind.
Wien bekommt mit 227 Schulen fast die Hälfte aller Teilnehmer. Dann folgen Oberösterreich, Steiermark, Niederösterreich und Salzburg. Jede Schule erhält zwischen einem und sieben Vollzeitäquivalenten an Personal. Das bedeutet: In einer kleinen Schule in der Steiermark könnte das eine zusätzliche Lehrkraft sein. In einer großen Schule in Wien könnte es drei Lehrer, eine Schulpsychologin und eine Sozialarbeiterin sein. Die Mittel fließen nicht in neue Computer, sondern in Menschen, die direkt mit den Kindern arbeiten.
Die alte Schulbeihilfe: Wer bekommt was?
Neben dem Chancenbonus gibt es die klassische Schulbeihilfe eine einkommensabhängige staatliche Unterstützung für Schüler ab der 10. Schulstufe, die seit Jahrzehnten existiert. Für das Schuljahr 2025/26 beträgt der jährliche Grundbetrag 1.845 Euro. Wer Anspruch hat? Österreicher, EU-Bürger, EWR-Bürger, Drittstaatsangehörige mit langfristiger Aufenthaltsgenehmigung und Flüchtlinge gemäß der Genfer Konvention. Wichtig: Der Schüler muss an einer österreichischen mittleren oder höheren Schule eingeschrieben sein und sozial bedürftig sein.
Die Bedürftigkeit wird nicht einfach so angenommen. Das Amt prüft das Einkommen der Familie, die Anzahl der Kinder, den Familienstand und ob andere Unterstützungen laufen. Ein Kind aus einer Familie mit 3 Kindern und einem monatlichen Nettoeinkommen von 2.200 Euro hat mehr Chancen als ein Einzelkind aus einem Haushalt mit 4.500 Euro. Es ist kein pauschaler Anspruch - es ist eine individuelle Prüfung. Wer die Beihilfe erhält, bekommt das Geld direkt aufs Konto - für Bücher, Fahrkarten, Lernmaterial oder einfach, um nicht jeden Monat überlegen zu müssen: Kann ich mir das leisten?
Förderung für jüngere Schüler: Was geht außer Geld?
Die Schulbeihilfe gilt erst ab der 10. Schulstufe. Aber was ist mit Kindern in der Volksschule? Die gibt es auch. Hier gibt es die Förderung für Schulveranstaltungen eine einkommensabhängige Unterstützung für Schilager, Wienwochen oder Projektwochen, die soziale Integration fördern. Wer unterhalb der Einkommensgrenze I liegt, bekommt 60 Prozent der tatsächlichen Kosten erstattet - maximal 150 Euro pro Veranstaltung. Das mag wenig klingen. Aber für eine Familie, die jeden Euro zählen muss, ist ein Schilager mit 100 Euro Teilnahmegebühr plötzlich machbar. Und das ist wichtig. Denn wer in der 4. Klasse nie aus der Stadt rauskommt, hat später auch weniger Chancen, sich in der Oberstufe zu orientieren.
In Tirol gibt es noch etwas Besonderes: die Heimbeihilfe eine Bundesförderung für Schüler ab der 9. Schulstufe, die aus zwingenden Gründen in einem Internat leben müssen. Das gilt zum Beispiel, wenn ein Elternteil Vollzeit arbeitet, die Familie weit von der Schule entfernt lebt oder das Kind besondere Lernunterstützung braucht, die zu Hause nicht möglich ist. Die Heimbeihilfe deckt Teile der Unterkunftskosten. Es ist eine Notlösung - aber eine, die wirklich hilft.
Private Stiftungen: Wer sonst noch hilft?
Nicht alles kommt vom Staat. Die TalenteStiftung Günther Berghofer eine private Stiftung, die exzellente, sozial benachteiligte Schüler und Studierende mit finanzieller Unterstützung fördert vergibt jährlich Leistungsstipendien. Wer besonders gut ist - aber arm ist - kann hier bis zu 2.000 Euro pro Semester bekommen. Das ist kein Kleingeld. Das kann ein Studium ermöglichen. Die Stiftung prüft nicht nur die Noten, sondern auch die Lebenssituation. Ein Schüler, der nach der Schule arbeitet, um seine Familie zu unterstützen, und trotzdem 1,2 hat, bekommt eine Chance. Und wer das Stipendium erhält, kann sogar eine Zusatzförderung beantragen - für Laptops, Bücher oder Fahrtkosten.
Warum ist das alles so wichtig?
Es gibt Studien, die zeigen: Wenn Schulen in benachteiligten Gebieten mehr Geld bekommen, steigen die Abschlüsse. Die Schüler bleiben länger in der Schule. Sie lernen besser. Sie fühlen sich gesehen. Das ist kein Wunder. Es ist Logik. Wenn eine Schule keine Psychologin hat, dann bleibt ein Kind mit Lernschwierigkeiten zurück. Wenn es keine zusätzlichen Lehrkräfte gibt, dann kann der Unterricht nicht differenziert werden. Wenn Eltern nicht Deutsch sprechen, aber die Schule keine Dolmetscherin hat, dann verstehen sie nicht, was in den Elternabenden passiert. Geld ist nicht alles. Aber ohne Geld ist nichts möglich.
Der Chancenbonus ist ein erster großer Schritt. Er zeigt: Die Politik erkennt an, dass gleiche Schulen nicht gleich behandelt werden können. Aber es bleibt ein Problem: Nur 400 von über 3.000 Schulen profitieren. Das heißt: 2.600 Schulen bekommen weiterhin die gleichen Mittel - egal ob sie in einem reichen Viertel in Salzburg oder in einem armutsgeplagten Stadtteil in Graz liegen. Die Arbeiterkammer sagt: Das ist nicht gerecht. Sie fordern einen Chancenindex einen flächendeckenden, an der sozialen Lage orientierten Finanzierungsmechanismus, bei dem jede Schule Geld erhält, aber in Abhängigkeit von ihrem Bedarf. Ein System, bei dem jede Schule ein bisschen mehr bekommt - je schwerer ihre Lage. Das wäre echte Bildungsgerechtigkeit.
Was bleibt zu tun?
Wenn du ein Elternteil bist: Prüfe, ob deine Schule im Chancenbonus ist. Frag bei der Schulleitung nach. Wenn du ein Schüler bist: Frag nach der Schulbeihilfe. Die Anträge sind nicht schwer. Die Behörden helfen. Wenn du ein Lehrer bist: Nutze die Flexibilität. Wenn du mehr Personal brauchst, sag es. Es gibt Geld dafür. Und wenn du ein Bürger bist: Drücke deine Stimme. Die Politik hat begonnen. Aber sie muss weitergehen. Bildungsgerechtigkeit ist kein Ziel, das man einmal erreicht. Es ist eine Haltung. Und sie beginnt damit, dass jeder Schüler - egal wo er herkommt - die gleiche Chance hat, erfolgreich zu sein.
Wer bekommt den Chancenbonus?
Den Chancenbonus bekommen 400 Schulen in Österreich, die von der Statistik Austria als besonders benachteiligt eingestuft wurden. Das sind vor allem Volksschulen und Mittelschulen in Gebieten mit niedrigem Bildungsstand der Eltern, geringem Einkommen, hoher Arbeitslosigkeit oder vielen Kindern, die zu Hause nicht Deutsch sprechen. Die Auswahl basiert auf objektiven Daten, nicht auf Zufall.
Wie viel Geld bekommt eine Schule mit dem Chancenbonus?
Jede teilnehmende Schule erhält durchschnittlich 162.500 Euro pro Jahr zusätzlich. Das entspricht etwa 580 Euro pro Schüler und Jahr. Die genaue Summe hängt von der Größe der Schule und der regionalen Bedürftigkeit ab. Die Mittel dürfen flexibel eingesetzt werden - für Personal, Beratung oder Material.
Gibt es Unterstützung für Schüler in der Volksschule?
Ja. Für Schulveranstaltungen wie Schilager, Wienwochen oder Projektwochen gibt es eine einkommensabhängige Förderung. Unterhalb der Einkommensgrenze I werden 60 Prozent der tatsächlichen Kosten erstattet - maximal 150 Euro pro Veranstaltung. In Tirol kann außerdem die Heimbeihilfe beantragt werden, wenn ein Kind aus zwingenden Gründen in einem Internat leben muss.
Wie hoch ist die Schulbeihilfe 2026?
Für das Schuljahr 2025/26 beträgt der jährliche Grundbetrag der Schulbeihilfe 1.845 Euro. Dieser Betrag wird jährlich angepasst. Anspruch haben Schüler ab der 10. Schulstufe, die sozial bedürftig sind und an einer österreichischen Schule eingeschrieben sind. Die Prüfung erfolgt anhand von Einkommen, Familienstand und -größe.
Kann man den Chancenbonus auch für Privatschulen beantragen?
Nein. Der Chancenbonus gilt nur für öffentliche Volksschulen und Mittelschulen. Privatschulen, auch solche mit staatlicher Anerkennung, sind nicht Teil des Programms. Die Förderung ist explizit darauf ausgerichtet, die Ungleichheit zwischen öffentlichen Schulen in armen und reichen Vierteln zu verringern.
Wie kann ich als Elternteil die Schulbeihilfe beantragen?
Der Antrag für die Schulbeihilfe läuft über das Bundesministerium für Bildung. Du erhältst den Antrag von deiner Schule oder kannst ihn online herunterladen. Du musst Einkommensnachweise, Familienstand und die Anzahl der Kinder angeben. Die Prüfung dauert meist 4-6 Wochen. Wenn du Unterstützung brauchst, kannst du dich an deine Schule oder die lokale Sozialberatung wenden.