Wissen Sie eigentlich, wer die meisten Weiterbildungen in unserem Land organisiert? Die Antwort ist überraschend einfach: Es ist ein dichtes Netz aus gemeinnützigen Verbänden, staatlichen Stellen und privaten Unternehmen. In Österreich nehmen wir Erwachsenenbildung sehr ernst. Im Jahr 2023 lag unsere Beteiligung an der Weiterbildung bei 17,1 %. Das klingt vielleicht nicht nach viel, aber im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 15,9 % sind wir klar vorne dabei.
Aber wie finden Sie den richtigen Kurs für sich? Ob Sie eine neue Karriere starten, Ihre Sprachkenntnisse verbessern oder einfach nur etwas Neues lernen möchten - die Auswahl ist riesig. Dieser Artikel zeigt Ihnen genau, wer die großen Player sind, wo Sie Geld für Ihre Ausbildung bekommen können und wie Sie Qualität erkennen.
Was ist die KEBÖ?
Die Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ) ist die zentrale Plattform für gemeinnützige Bildungsanbieter. Sie koordiniert zehn große Dachverbände, darunter die Volkshochschulen und das WIFI.
Wer steuert das Schiff? Die Rolle der KEBÖ
Wenn Sie durch die Welt der Erwachsenenbildung navigieren, stoßen Sie früher oder später auf die Abkürzung KEBÖ. Das steht für die Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs, eine Arbeitsgemeinschaft der wichtigsten gemeinnützigen Bildungsverbände des Landes. Gegründet wurde sie bereits 1972, also lange bevor das Internet existierte. Ihr Ziel war es von Anfang an, die Interessen der verschiedenen Bildungsanbieter zu bündeln und Kooperationen zu fördern.
Warum ist das wichtig für Sie als Lernender? Weil die KEBÖ sicherstellt, dass es flächendeckend hochwertige Angebote gibt. Zu ihren Mitgliedern gehören bekannte Namen wie die Volkshochschulen, das Berufsförderungsinstitut (BFI) und das Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI). Im Jahr 2025 hat sich die KEBÖ sogar neu strukturiert und ist nun ein eigenständiger Verein. Das zeigt, dass diese Institution dynamisch bleibt und sich an moderne Anforderungen anpasst. Allein im Jahr 2024 haben Einrichtungen im KEBÖ-Verbund über 170.000 Veranstaltungen organisiert. Das ist kein Kleinkram.
Die Volkshochschulen: Der Klassiker unter den Anbietern
Wenn man von Weiterbildung in Österreich spricht, denkt man oft zuerst an die Volkshochschule (VHS). Und das mit gutem Grund. Laut Statistik sind die VHS die größte Organisation ihrer Art im Land. Im Kursjahr 2024/25 gab es fast 50.000 Kurse und mehr als 670.000 Teilnahmen. Das bedeutet, dass jede:r zehnte Österreicher:in mindestens einmal im Jahr einen VHS-Kurs besucht.
Was macht sie so attraktiv? Vor allem die Vielfalt. Sie können dort alles lernen, von Spanisch bis hin zu Digitalem Marketing, von Yoga bis zur Geschichte Wiens. Ein weiterer großer Vorteil: Die Kosten. Mehr als 60 % der Finanzierung kommt direkt von den Kursteilnehmenden, der Rest wird von Gemeinden und Ländern subventioniert. Bundesmittel spielen hier kaum eine Rolle (unter 5 %). Das führt dazu, dass die Kurse oft günstiger sind als bei rein privaten Anbietern.
Interessant ist auch die Demografie: Über 70 % der Kursteilnehmenden sind Frauen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Themen wie Gesundheit, Sprachen und Kultur besonders stark vertreten sind. Wenn Sie also auf der Suche nach einem niederschwelligen Einstieg sind, ist die lokale VHS meist der beste erste Anlaufpunkt.
Berufliche Qualifizierung: WIFI und BFI
Wenn es um den Job geht, ändern sich die Regeln. Hier kommen die spezialisierten Institute ins Spiel. Zwei Namen dominieren diesen Bereich: Das Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) der Wirtschaftskammer und das Berufsförderungsinstitut (BFI).
Das WIFI ist der Marktführer für berufliche Weiterbildung. Jährlich erreichen ihre Kurse weit über 500.000 Menschen. Sie bieten alles an, von kurzen Seminen über IT-Skills bis hin zu langfristigen Management-Ausbildungen. Eine Studie des Gallup-Instituts zeigte, dass 87 % der Teilnehmer:innen die WIFI-Kurse weiterempfehlen würden. Das ist ein enormes Vertrauen in die Qualität.
Das BFI hingegen hat einen anderen Fokus. Es richtet sich stark an Arbeitnehmer:innen, die ihre Kompetenzen anpassen müssen, oder an Menschen, die zurück in den Arbeitsmarkt wollen. Oft arbeiten sie eng mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) zusammen. Wenn Sie also eine Umschulung brauchen oder sich für eine neue Branche qualifizieren möchten, sind das BFI und das WIFI Ihre ersten Ansprechpartner.
| Anbieter | Fokus | Zielgruppe | Finanzierung |
|---|---|---|---|
| Volkshochschule (VHS) | Allgemeine Bildung, Sprachen, Kultur | Breite Öffentlichkeit | Kursteilnehmer:innen, Kommunen |
| WIFI | Berufliche Weiterbildung, Management | Mitarbeiter:innen, Führungskräfte | Unternehmen, Kursteilnehmer:innen |
| BFI | Umschulung, Basisqualifikation | Arbeitssuchende, Beschäftigte | AMS, Bund, Länder |
| Private Institute | Spezialisierungen (IT, Coaching etc.) | Individuelle Bedürfnisse | Kursteilnehmer:innen, Förderungen |
Private Anbieter und Qualitätszeichen
Neben den großen öffentlichen und gemeinnützigen Trägern gibt es hunderte private Bildungsinstitute. Diese reichen von kleinen Sprachschulen bis zu großen Online-Fernlehrakademien. Hier ist Vorsicht geboten: Nicht alle Angebote sind gleichwertig.
Achten Sie daher auf das Zeichen „Ö-Cert“. Das ist ein bundesweiter Qualitätsrahmen für die Erwachsenenbildung. Nur Institute, die bestimmte Standards erfüllen, dürfen dieses Label führen. Dazu zählen Aspekte wie transparente Informationen, qualifizierte Lehrkräfte und angemessene Räumlichkeiten. Wenn Sie unsicher sind, ob ein privater Anbieter seriös ist, prüfen Sie, ob er im Verzeichnis der Ö-Cert-Qualitätsanbieter gelistet ist.
Zu den bekannten privaten Anbietern zählen unter anderem die Comenius Akademie oder die Wirtschaftsakademie Wien. Diese bieten oft flexible Formate an, wie Blended Learning (Kombination aus Online und Präsenz), was für Berufstätige mit wenig Zeit ideal sein kann.
Geld für die Weiterbildung: Wie Sie gefördert werden
Keiner möchte seine Weiterbildung komplett selbst bezahlen. Glücklicherweise gibt es in Österreich mehrere Wege, Unterstützung zu erhalten. Der wichtigste Akteur ist hier das Arbeitsmarktservice (AMS), die größte Weiterbildungsdrehscheibe des Landes.
Das AMS finanziert nicht nur eigene Kurse, sondern unterstützt auch die Teilnahme an externen Schulungen. Es gibt verschiedene Instrumente:
- Fachkräftestipendium: Hier übernimmt das AMS bis zu 80 % der Kosten für eine anerkannte Weiterbildung. Ideal, wenn Sie aktuell beschäftigt sind und sich weiterentwickeln wollen.
- Bildungskarenz: Sie können Ihren Job für bis zu sechs Monate ruhen lassen, um eine intensive Schulung zu absolvieren. Während dieser Zeit erhalten Sie ein Karenzgeld.
- Bildungsteilzeit: Sie arbeiten reduziert (maximal 50 %) und nutzen die restliche Zeit für die Ausbildung.
Daneben gibt es noch das „Bildungsbonus“ oder regionale Förderprogramme. Informieren Sie sich frühzeitig bei Ihrem zuständigen AMS-Büro oder auf der Plattform erwachsenenbildung.at. Dort finden Sie auch Informationen zu Basisbildungsangeboten, falls Sie Ihren Pflichtschulabschluss nachholen möchten.
Trends und Zukunft der Erwachsenenbildung
Die Landschaft verändert sich ständig. Ein deutlicher Trend ist die Digitalisierung. Immer mehr Kurse werden online angeboten, nicht nur wegen der Pandemie, sondern weil sie flexibel sind. Allerdings bleibt der persönliche Kontakt wichtig. Deshalb setzen viele Anbieter auf hybride Modelle.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die soziale Komponente. Studien zeigen, dass Menschen mit geringerer formaler Bildung ein deutlich höheres Risiko auf Arbeitslosigkeit haben (28,3 % bei Pflichtschulabschluss gegenüber 3,9 % bei Hochschulabschluss). Daher liegt der Fokus der Politik und der gemeinnützigen Verbände immer stärker auf Inklusion und Chancengleichheit. Initiativen wie das Alphatelefon (kostenlos unter 0800 244 800) helfen Menschen, den richtigen Einstieg in die Bildungswelt zu finden.
Insgesamt ist die Prognose positiv. Die Nachfrage steigt, die Infrastruktur ist gut ausgebaut und die Fördermöglichkeiten sind vielfältig. Ob Sie nun in Graz, Wien oder Salzburg wohnen: Die Möglichkeiten, sich weiterzubilden, sind größer denn je.
Wie finde ich einen geförderten Kurs?
Nutzen Sie die Datenbank auf erwachsenenbildung.at. Dort können Sie nach Thema, Ort und Fördermöglichkeit filtern. Alternativ kontaktieren Sie direkt Ihr lokales AMS-Büro für Beratung zu Fachkräftestipendien oder Bildungskarenzen.
Ist eine Volkshochschule besser als ein privates Institut?
Es kommt darauf an. VHS-Angebote sind oft günstiger und sozial orientiert. Private Institute können flexibler sein und spezifischere Nischen abdecken. Achten Sie bei privaten Anbietern auf das Ö-Cert-Qualitätssiegel.
Wer bezahlt meine Weiterbildung?
Oft teilen sich Arbeitgeber, Staat und Sie selbst die Kosten. Das AMS bietet Stipendien an. Viele Unternehmen zahlen freiwillig für Fortbildungen. Prüfen Sie auch, ob Ihr Betrieb ein Weiterbildungsbudget hat.
Was ist das BFI?
Das Berufsförderungsinstitut (BFI) ist ein Träger der beruflichen Weiterbildung, der stark mit dem Arbeitsmarktservice vernetzt ist. Es bietet vor allem Umschulungen und Basisqualifikationen für Arbeitssuchende und Beschäftigte an.
Gibt es Statistiken zur Weiterbildungsbeteiligung?
Ja, laut dem Adult Education Survey (AES) nahmen 2022/23 rund 58 % der 25- bis 64-Jährigen innerhalb eines Jahres an irgendeiner Form von Bildung teil. Österreich liegt damit über dem EU-Durchschnitt.
Wie funktioniert die Bildungskarenz?
Sie vereinbaren mit Ihrem Arbeitgeber eine befristete Freistellung von bis zu sechs Monaten. Während dieser Zeit besuchen Sie eine anerkannte Weiterbildung und erhalten vom AMS ein Karenzgeld. Der Antrag muss rechtzeitig beim AMS gestellt werden.
Was bedeutet Ö-Cert?
Ö-Cert ist ein Qualitätszeichen für die österreichische Erwachsenenbildung. Es garantiert, dass der Anbieter bestimmte Standards in Bezug auf Transparenz, Didaktik und Infrastruktur erfüllt.