Lernen im Alter in Österreich: Alle Angebote für Seniorinnen und Senioren 2026

Lernen im Alter in Österreich: Was wirklich möglich ist

Im Jahr 2025 haben mehr als 43 % der Österreicherinnen und Österreicher ab 60 Jahren an einem Bildungsangebot teilgenommen. Das ist fast jede zweite Person. Vor 15 Jahren war es nur knapp jeder Vierte. Diese Zahl sagt mehr als jede Rede: Lernen im Alter ist kein Luxus, sondern ein fester Bestandteil des Lebens in Österreich. Es geht nicht mehr darum, ob Senioren lernen können - sondern wie wir ihnen den Weg dazu leichter machen.

Die Vorstellung, dass Lernen mit 70 endet, ist längst veraltet. Wer heute 65 ist, lebt im Durchschnitt noch 17 Jahre länger - und die meisten davon gesund und aktiv. Die Frage ist nicht, ob man noch etwas lernen kann, sondern was einen nach dem Renteneintritt wirklich interessiert. Fremdsprachen? Digitale Geräte? Schach? Kunst? Oder einfach nur das Gefühl, noch etwas zu bewegen?

Wo man in Österreich als Senior lernen kann

Die Wiener Volkshochschulen sind mit 34 Standorten und acht Spezialeinrichtungen das größte Netzwerk für erwachsene Lernende in Österreich. Jedes Jahr nehmen rund 12.500 Seniorinnen und Senioren an ihren Kursen teil. Die Angebote sind vielfältig: von Spanisch und Italienisch über Yoga und Tanzen bis hin zu Photoshop und Online-Banking. Die Kurse sind so gestaltet, dass sie nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch soziale Kontakte fördern. Viele Teilnehmer kommen nicht nur wegen des Stoffes, sondern weil sie dort wieder zu einer Gemeinschaft gehören.

In Salzburg gibt es die Datenbank "aktiv im Alter", die fast 200 speziell auf ältere Menschen zugeschnittene Kurse auflistet. Von Gedächtnistraining bis hin zu literarischen Spaziergängen - hier wird Bildung nicht als Pflicht, sondern als Freude verstanden. In Graz, Linz oder Innsbruck funktioniert das ähnlich: Jede Stadt hat ihre eigenen Stärken, aber alle folgen demselben Prinzip: nah, verständlich, persönlich.

Die Diakonie Österreich betreibt das Open Learning Center (OLC), das sich speziell an Menschen richtet, die nach der Pensionierung neue Fähigkeiten erwerben wollen. 2024 nahmen 3.241 Seniorinnen und Senioren daran teil - mit einem Durchschnittsalter von 68,4 Jahren. Die Kurse sind flexibel, oft in Kooperation mit lokalen Gemeinden oder Seniorenzentren, und richten sich an Menschen, die vielleicht lange nicht mehr in einer Schule waren. Hier lernt man nicht, um den Lebenslauf zu verbessern, sondern um das Leben zu verbessern.

Ein mobiler Bildungswagen steht vor einem Seniorenhaus, und Bewohner betreten ihn, um Kurse zu besuchen.

Digitales Lernen: Von Null auf Online

Der größte Wandel in der Erwachsenenbildung der letzten Jahre ist digital. Vor zehn Jahren hatten viele Seniorinnen und Senioren noch nie einen Laptop berührt. Heute ist das Internet ein wichtiger Teil des Alltags - und Lernen ohne digitale Kompetenzen ist fast unmöglich geworden.

Die A1 Seniorenakademie ist das bekannteste Angebot in diesem Bereich. Seit 2021 bietet sie kostenlose Kurse wie "Aktiv im Internet" und "Internet für Alle - Senioren" an. Im Jahr 2024 nahmen mehr als 45.000 Menschen daran teil. Die Kurse dauern mehrere Tage, sind klein gruppiert und beginnen bei Null. Wer noch nie ein Smartphone bedient hat, lernt hier, wie man telefoniert, Fotos macht, Online-Rezepte sucht oder einen Arzttermin bucht. Die Lehrenden sind speziell ausgebildet, haben Geduld und wissen, wie man Erklärungen so macht, dass sie sitzen.

Die Plattform digitaleseniorinnen.at des Sozialministeriums ist die zentrale Anlaufstelle für alles, was mit digitaler Bildung für Ältere zu tun hat. Sie bietet nicht nur Kursverzeichnisse, sondern auch Studien, Leitfäden und sogar Checklisten für sicheres Online-Banking. Das Programm "Digital Überall" hat allein 2024 über 187.500 Teilnahmen verzeichnet. Die fünf Themenbereiche - von Künstlicher Intelligenz bis zu digitalen Amtswege - zeigen, wie ernst die Bundesregierung das Thema nimmt.

Was macht ein gutes Lernangebot für Senioren aus?

Nicht jedes Kursangebot funktioniert. Viele scheitern schon an den kleinsten Dingen. Eine Studie der Universität Wien aus 2023 hat klargestellt: 78 % der Seniorinnen und Senioren sagen, dass die physische Erreichbarkeit entscheidend ist. Ein Kurs in einer weit entfernten Schule, der nur mit dem Bus zu erreichen ist, wird selten besucht. Die meisten bevorzugen Orte in der Nähe: Gemeindezentrum, Kirche, Seniorenheim, Bibliothek.

Die Kurszeiten sind ein weiterer entscheidender Faktor. 65 % der Befragten gaben an, dass Vormittagskurse ideal sind - nicht weil sie früh aufstehen wollen, sondern weil sie nachmittags oft müde sind oder Termine haben. Ein Kurs, der von 18 Uhr bis 20 Uhr läuft, ist für viele nicht machbar.

Die Methodik zählt genauso wie der Ort. Gute Kurse für Ältere haben bestimmte Merkmale: kleine Gruppen, viel Zeit zum Ausprobieren, keine Prüfungen, keine Noten, kein Druck. Die Teilnehmer lernen durch Tun - nicht durch Vorträge. Sie schreiben einen Brief mit dem Computer, machen ein Video mit dem Tablet, kochen ein Rezept, das sie online gefunden haben. Und sie lernen voneinander. Wer schon ein bisschen kann, hilft dem, der noch nicht weiß, wo der Knopf ist. Das ist kein Zufall - das ist geplant.

Das Institut für Lebensbegleitendes Lernen (L3M) hat dafür sogar Qualitätskriterien entwickelt. Dazu gehören: Start-Workshop am Abend, drei Workshop-Tage, sechs Webinare, sechs Praxisgruppen und ein eigenes Projekt am Ende. Das klingt nach viel - aber es funktioniert. Die Teilnehmer fühlen sich nicht überfordert, sondern begleitet. Und am Ende haben sie nicht nur etwas gelernt, sondern auch etwas geschaffen.

Eine symbolische Brücke aus Händen verschiedener Generationen verbindet traditionelles und digitales Lernen.

Was fehlt noch - und was kommt?

Es gibt noch Hürden. Eine Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) aus 2024 zeigt: 42 % der Menschen ab 75 Jahren haben Schwierigkeiten mit digitalen Geräten - nicht weil sie dumm sind, sondern weil die Angebote oft nicht auf sie zugeschnitten sind. 37 % klagen über fehlende Flexibilität: Kurse, die nur einmal pro Woche stattfinden, passen nicht zu ihrem Alltag. Und 28 % sagen: Niemand fragt mich, ob ich mitmachen will. Es fehlt an sozialer Unterstützung.

Die Antwort darauf kommt jetzt. Die Bundesregierung hat 18,5 Millionen Euro in die Digitale Kompetenzoffensive gesteckt. Die LLL-Strategie 2030, die bis Ende 2025 fertig wird, wird neue Schwerpunkte setzen: KI-Bildung für Senioren, intergenerationelles Lernen, und vor allem: mehr lokale Angebote.

Die Wiener Volkshochschulen starten ab Herbst 2025 "VHS goes Senior" - mobile Kurse direkt in Seniorenwohnanlagen. Kein Umsteigen, kein Bus, kein Stress. Der Kurs kommt zu dir. In Graz, Linz und Innsbruck folgen bald ähnliche Projekte.

Und die Nachfrage wächst. Eine Umfrage des Österreichischen Seniorenrates aus Januar 2025 zeigt: 61 % der Seniorinnen und Senioren wünschen sich mehr praxisnahe Angebote - nicht in großen Bildungszentren, sondern in ihrer Straße, ihrem Bezirk, ihrem Haus.

Wie du dein passendes Angebot findest

Wenn du oder jemand aus deinem Umfeld Interesse an Lernen im Alter hast - hier ist, wie du startest:

  1. Gehe auf erwachsenenbildung.at - dort findest du eine landesweite Suche nach Kursen, mit Filtern nach Ort, Thema und Sprache.
  2. Frage in deiner Gemeinde oder deinem Seniorenzentrum nach: Oft gibt es lokale Angebote, die nicht online gelistet sind.
  3. Wenn du digital lernen willst: Schau bei der A1 Seniorenakademie vorbei - kostenlose Kurse in deiner Stadt.
  4. Wenn du Hilfe brauchst: Die Bildungsberatung von erwachsenenbildung.at führte 2024 über 25.000 Gespräche mit Seniorinnen und Senioren. Sie helfen dir, das Richtige zu finden - ohne Druck.
  5. Probiere es aus - ein Kurs ist kein Vertrag. Du kannst jederzeit abbrechen, wenn es nicht passt.

Es gibt kein "richtiges" Alter zum Lernen. Es gibt nur das richtige Angebot - und das gibt es in Österreich mehr denn je.

Kann man als Senior noch neue Sprachen lernen?

Ja, absolut. Studien zeigen, dass das Lernen neuer Sprachen im Alter sogar Vorteile hat: Es stärkt das Gedächtnis und verlangsamt kognitive Abbauprozesse. Die Wiener Volkshochschulen und viele andere Anbieter bieten Kurse in Spanisch, Italienisch, Englisch oder sogar Japanisch speziell für Senioren an. Der Fokus liegt nicht auf Perfektion, sondern auf Kommunikation - und darauf, dass es Spaß macht.

Gibt es kostenlose Kurse für Senioren?

Ja, viele. Die A1 Seniorenakademie bietet digitale Kurse komplett kostenlos an. Auch die Volkshochschulen haben oft reduzierte Preise für Seniorinnen und Senioren. Die Plattform digitaleseniorinnen.at listet alle kostenlosen Angebote auf. In manchen Gemeinden sind Kurse sogar komplett kostenfrei - besonders wenn sie von der Stadt oder einem Verein getragen werden.

Wie finde ich einen Kurs in meiner Nähe?

Nutze die Suchfunktion auf erwachsenenbildung.at - dort kannst du nach Ort, Thema und Art des Angebots filtern. Oder frag direkt in deiner Gemeindeverwaltung, deiner Kirchengemeinde oder deinem Seniorenzentrum. Oft gibt es lokale Gruppen, die nicht online gelistet sind, aber sehr gut funktionieren. In Wien, Graz und Linz gibt es auch mobile Kurse, die direkt in Wohnanlagen kommen.

Was ist, wenn ich keine Computerkenntnisse habe?

Dann bist du genau richtig bei der A1 Seniorenakademie. Die Kurse beginnen bei Null: Wie starte ich das Gerät? Wie öffne ich eine Webseite? Wie schreibe ich eine E-Mail? Die Lehrenden haben spezielle Ausbildungen und arbeiten mit viel Geduld. Es gibt keine Prüfungen, keine Noten - nur das Ziel: Du kannst es später alleine.

Warum ist intergenerationelles Lernen wichtig?

Weil es beiden Seiten hilft. Ältere Menschen lernen von jüngeren, wie man digitale Tools nutzt - und jüngere Menschen lernen von Älteren, wie man Geduld hat, wie man Geschichten erzählt, wie man mit Herausforderungen umgeht. Projekte, bei denen Schüler und Senioren gemeinsam ein Video drehen oder ein Buch schreiben, stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl und brechen Vorurteile ab. Das ist Bildung - und gleichzeitig Gesellschaft.