Europäische Hochschulnetzwerke mit österreichischer Beteiligung: Wie Österreich als Brücke zwischen West- und Osteuropa wirkt

Was sind europäische Hochschulnetzwerke und warum ist Österreich dabei?

Europäische Hochschulnetzwerke sind keine losen Verbünde, sondern strukturierte Allianzen von Universitäten und Fachhochschulen, die gemeinsam Studiengänge entwickeln, Forschung koordinieren und Studierende über Ländergrenzen hinweg bewegen. Österreich ist seit den Anfängen dabei - nicht als Zuschauer, sondern als Treiber. Seit 1995 koordiniert der Österreichische Austauschdienst (ÖAD) das CEEPUS-Programm, das als erste große Initiative nach dem Fall des Eisernen Vorhangs Studierende und Lehrende aus Mittel- und Osteuropa miteinander verband. Heute ist Österreich mit 17 Hochschulen an den EU-weiten "European Universities"-Allianzen beteiligt, mehr als viele größere Länder pro Kopf. Die Universität Innsbruck, die Technische Universität Graz und die Universität Wien gehören zu den führenden Akteuren.

CEEPUS: Die österreichische Pionierleistung

Bevor die EU mit ihrer "European Universities"-Initiative startete, gab es CEEPUS. Gegründet 1993 von Erhard Busek und umgesetzt ab 1995 vom ÖAD, war es das erste Netzwerk, das nach 1989 akademische Zusammenarbeit zwischen Österreich, Ungarn, Polen, der Slowakei, Slowenien und Bulgarien ermöglichte. Bis 2006 wuchs es auf 13 Länder an - inklusive Serbien, Montenegro, Albanien und Nordmazedonien. Im Jahr 2006 wurden 45 Netzwerke ausgewählt, davon 32 mit österreichischer Beteiligung. Österreich koordinierte 12 davon - mehr als jedes andere Land. Diese Zahlen zeigen: Österreich hat nicht nur mitgemacht, es hat den Rahmen gesetzt. CEEPUS funktioniert mit einfachen Mitteln: Studenten wechseln für ein Semester, Lehrende geben Kurse im Ausland, und gemeinsame Lehrpläne entstehen ohne teure Infrastruktur. Es ist Bildungsaustausch mit Herz - und ohne Bürokratie-Overkill.

European Universities: Die neue EU-Strategie

Seit 2019 läuft die EU-Initiative "European Universities". Sie verfolgt ein ambitioniertes Ziel: Drei oder mehr Hochschulen aus mindestens drei EU-Ländern bilden eine Allianz, die gemeinsam Bachelor-, Master- und Doktorandenprogramme anbietet - mit einem einzigen Abschluss, der in allen Ländern gilt. Die EU fördert jede Allianz mit bis zu 14,4 Millionen Euro über vier Jahre. Insgesamt gibt es 65 solcher Allianzen, mit mehr als 570 Hochschulen aus 35 Ländern. Österreich ist mit 17 Hochschulen vertreten: elf öffentliche Universitäten, fünf Fachhochschulen und eine Privatuniversität. Zwei davon koordinieren große Projekte: Die Universität Innsbruck leitet "TeDiMeLi", das digitale Medienkompetenz in Zeiten von Desinformation lehrt. Die TU Graz koordiniert "AMARU 5.0", das intelligente Ingenieurausbildung mit Partnern aus Lateinamerika verbindet. Das ist kein Zufall. Österreich nutzt seine geografische Lage als Bindeglied zwischen West- und Osteuropa, um auch Länder jenseits der EU einzubinden.

Karte Europas mit Österreich als leuchtender Brücke zwischen Universitäten, verbunden durch fließende Symbole von Studierenden und Wissen.

Warum ist Österreich so erfolgreich?

Andere Länder haben mehr Hochschulen - Deutschland hat 29 an 30 Allianzen, Frankreich 28, Spanien 27. Aber Österreich hat mehr Koordinator:innen pro Hochschule. Es hat Erfahrung. Die meisten österreichischen Universitäten haben schon seit Jahren internationale Studiengänge aufgebaut - oft in Kooperation mit osteuropäischen Partnern. Diese Erfahrung fließt jetzt in die EU-Netzwerke ein. Außerdem hat Österreich 2020 eine eigene Begleitgruppe gegründet, um die Koordinator:innen der Allianzen untereinander und mit dem Wissenschaftsministerium zu vernetzen. Jedes Jahr findet in Wien eine große Vernetzungsveranstaltung statt. Das ist kein Zufall. Es ist System. Andere Länder warten auf EU-Anweisungen. Österreich baut Brücken - und macht sie gleichzeitig breiter.

Was bringen diese Netzwerke den Studierenden?

Studierende profitieren von mehr als nur einem Auslandssemester. Sie können an Sommerschulen teilnehmen, die von mehreren Hochschulen gemeinsam organisiert werden - wie im Circle U.-Netzwerk, das bereits 15 solcher Programme durchgeführt hat. Sie machen Praktika, die in mehreren Ländern anerkannt werden, wie in der EPICUR-Initiative, die internationale Praktika neu denkt. Sie lernen in interdisziplinären Teams, die aus Deutschland, Italien, Spanien und Serbien kommen. Die Ergebnisse sind konkret: 2022/23 gab es in Österreich 117.166 ausländische Studierende, viele davon aus Deutschland, aber auch zunehmend aus Osteuropa. Die Zahl der österreichischen Studierenden, die ins Ausland gehen, steigt. Und die Abschlussquoten in gemeinsamen Studiengängen liegen über dem Durchschnitt. Es ist nicht nur ein Austausch von Menschen - es ist ein Austausch von Wissen, das sich verändert, wenn es über Grenzen wandert.

Internationales Studierendenteam in einem modernen Klassenzimmer in Innsbruck, arbeitet gemeinsam an einer digitalen Europakarte.

Die Herausforderungen: Bürokratie, Gesetze, Ungleichheit

Nicht alles läuft glatt. Die größten Hürden liegen nicht im Ausland, sondern zu Hause. Jedes Land hat andere Studiengesetze, andere Anerkennungsregeln, andere Prüfungsordnungen. Ein Studierender, der in Wien und Belgrad studiert, muss oft doppelt dokumentieren, weil die Systeme nicht sprechen. Lehrende brauchen mehr Zeit, um gemeinsame Lehrpläne zu entwickeln - und bekommen dafür nicht immer die nötige Entlastung. Und dann ist da noch die große Kluft: 90 Prozent der europäischen Hochschulen sind nicht in einer Allianz. Sie bekommen nichts von den Innovationen - keine neuen Lehrmethoden, keine gemeinsamen Module, keine Mobilitätsprogramme. Österreich ist Teil des Projekts "Spreading innovative results", das genau das ändern will: Erfahrungen aus den Allianzen an andere Hochschulen weitergeben. Es geht nicht nur darum, wer dabei ist - sondern darum, wer davon profitiert.

Die Zukunft: Von Elite-Netzwerken zu einem System für alle

Die EU will bis 2027 mehr als 80 Hochschulallianzen haben. Aber der Fokus verschiebt sich. Es geht nicht mehr nur um Exzellenz, sondern um Inklusion. Das Projekt FOR-EU4ALL, an dem Österreich beteiligt ist, fördert Peer-Learning zwischen den Allianzen. Es geht darum, dass eine kleine Hochschule in Kärnten von der TU Graz lernen kann - ohne selbst in einer EU-Allianz zu sein. Die nächste Förderrunde im Herbst 2026 wird noch stärker auf diesen Transfer abzielen. Österreich hat die Rolle übernommen, die es sich selbst geschaffen hat: nicht nur Teilnehmer, sondern Vermittler. Wer heute in Wien, Innsbruck oder Graz studiert, lernt nicht nur in einem europäischen Netzwerk - er lernt, wie Europa funktioniert: nicht durch Dekrete, sondern durch Vertrauen, Zusammenarbeit und die Bereitschaft, auch die anderen mitzunehmen.

Was bleibt? Ein Land, das nicht nur teilnimmt - sondern formt

Österreich ist kein großer Staat. Aber es ist ein kluger. Es hat früh erkannt, dass Bildungspolitik keine nationale Angelegenheit mehr ist. Mit CEEPUS hat es eine Brücke gebaut, die noch heute steht. Mit "European Universities" hat es nicht nur mitgemacht - es hat den Ton angegeben. Die Hochschulen hier arbeiten nicht, weil sie es müssen. Sie arbeiten, weil sie wissen: Nur gemeinsam wird Bildung stark. Und nur wenn man die anderen mitnimmt, wird Europa stark. Die nächste Generation wird nicht fragen, ob Österreich in diesen Netzwerken ist. Sie wird fragen: Wer hat sie aufgebaut? Und die Antwort wird klar sein: Österreich hat nicht nur mitgemacht. Es hat sie möglich gemacht.

3 Kommentare

  1. Rosemarie Felix

    Rosemarie Felix

    Also ich find das alles total überflüssig, wer braucht schon so viele Netzwerke? Die Uni in meinem Heimatort hat keine Mittel mehr für Bücher, aber hier wird Millionen in irgendwelche EU-Projekte gesteckt. #WastedTaxMoney

  2. Markus Steinsland

    Markus Steinsland

    CEEPUS war der echte Gamechanger - kein EU-Bürokratie-Overkill, sondern bottom-up-Kooperation mit klarem Fokus auf Mobilität. Die Struktur ist elegant: keine teuren Plattformen, nur Lehrveranstaltungen, die sich gegenseitig anerkennen. Das ist Systemdesign, nicht Politik-PR. Wer das nicht versteht, hat nie in einem transnationalen Lehrteam gearbeitet.

  3. Lea Harvey

    Lea Harvey

    Österreich ist doch nur erfolgreich weil es klein ist und sich nicht traut was anderes zu machen als andere zu kopieren und dann als Pionier zu verkaufen. Deutschland hat 30 Allianzen und macht das richtig mit echten Forschungsclustern nicht mit Semesteraustausch für Studenten die nur Urlaub machen wollen

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