Lehrstelle finden: 7 bewährte Tipps für eine erfolgreiche Bewerbung 2026

Im Jahr 2026 ist es härter denn je, eine Lehrstelle zu bekommen. Jeder dritte Jugendliche bewirbt sich bei mehr als zehn Unternehmen, doch nur jeder zweite erhält eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Der Grund? Viele Bewerbungen sehen gleich aus - und das ist der größte Fehler. Eine erfolgreiche Bewerbung für eine Lehrstelle ist kein Standardformular. Sie ist eine persönliche Botschaft, die zeigt: Ich verstehe, was dein Betrieb braucht - und ich passe dazu.

Beginne mit der richtigen Recherche - nicht mit dem Anschreiben

Bevor du auch nur ein Wort schreibst, frage dich: Was macht dieses Unternehmen aus? Ein Bäcker, der seit 1950 in der Familie geführt wird, sucht nicht denselben Auszubildenden wie ein großes Logistikunternehmen mit 500 Mitarbeitern. Lies die Stellenanzeige genau. Was steht dort? „Teamfähigkeit“, „Sorgfalt“, „Interesse an Technik“? Das sind keine leeren Worte. Sie sind der Schlüssel zu deinem Anschreiben.

Gehe auf die Website des Unternehmens. Schau dir Fotos vom Betrieb an. Lies den „Über uns“-Bereich. Finde heraus, ob sie mit Nachhaltigkeit arbeiten, ob sie digitalisieren oder ob sie stark in der Region verwurzelt sind. Wenn du das weißt, kannst du im Anschreiben sagen: „Ich bewundere, wie Ihr Betrieb seit Jahren regionale Produkte verarbeitet - das ist genau das, was ich lernen möchte.“ Das klingt nicht nach Kopieren. Das klingt nach Interesse.

Das Anschreiben: Kein Lebenslauf-Abklatsch, sondern eine Geschichte

Viele Bewerber schreiben im Anschreiben einfach nochmal auf, was sie im Lebenslauf stehen haben. Das ist der schnellste Weg zur Ablehnung. Ein Anschreiben erzählt, warum du hier sein willst - nicht nur, was du kannst.

Strukturiere es in drei Teile:

  1. Einstieg: Wie hast du von der Stelle erfahren? Warum interessierst du dich genau für diesen Betrieb? (Nicht: „Ich suche eine Lehrstelle.“ Sondern: „Nach meinem Praktikum bei Ihrem Metallbau-Team wusste ich: Hier will ich lernen.“)
  2. Hauptteil: Welche Fähigkeiten hast du, die zu diesem Beruf passen? Wenn du dich für eine Kauffrau im Einzelhandel bewirbst, erzähl nicht nur von deiner Note in Mathe. Erzähl davon, wie du im Ferienjob Kunden beraten hast - wie du dich an ihre Wünsche angepasst hast, wie du Probleme gelöst hast. Das ist das, was Unternehmen hören wollen.
  3. Schluss: Was möchtest du als Nächstes? „Ich freue mich auf ein Gespräch, um zu zeigen, wie ich mich in Ihr Team einbringen kann.“

Ein Anschreiben sollte nie länger als eine Seite sein. Keine langen Sätze. Keine Floskeln wie „Ich bin ein sehr motivierter Mensch“. Zeige Motivation durch konkrete Beispiele.

Der Lebenslauf: Klar, lückenlos, professionell

Ein Lebenslauf für eine Lehrstelle ist kein Lebenslauf für einen Job. Er muss alles enthalten, was zu deiner Entwicklung beigetragen hat - und nur das.

Beginne mit deinen letzten drei Schuljahren: Klasse, Schule, Abschluss (oder voraussichtlicher Abschluss). Dann folgen Praktika, Ferienjobs, ehrenamtliche Tätigkeiten. Selbst wenn du nur zwei Wochen bei einem Nachbarn geholfen hast, das Haustier gefüttert und den Garten gepflegt hast - schreib es auf. Das zeigt Verantwortung.

Erwähne alle Sprachkenntnisse - auch wenn du nur Grundkenntnisse hast. „Englisch: Grundkenntnisse“ ist besser als gar nichts. Genauso bei EDV: „Microsoft Word, Excel“ - das zählt. Wenn du eine Fahrradwerkstatt besucht hast, schreib es: „Selbstständige Reparatur von Fahrrädern - Kenntnisse in Mechanik“. Das ist ein Plus.

Formate: Nur eine Seite. Schriftart: Arial oder Times New Roman, Größe 11 oder 12. Keine bunten Farben, keine Grafiken, keine Fotos - außer du bist in einem kreativen Beruf wie Fotograf oder Grafikdesigner. Dann brauchst du ein Portfolio. Sonst: Kein Foto im Lebenslauf. Das kommt erst später.

Professionelles Foto eines Bewerbers mit freundlichem Gesichtsausdruck und neutralem Hintergrund.

Die Bewerbungsmethode: Wähle die richtige - und mach’s richtig

Heute gibt es drei Wege: Post, E-Mail, Online-Formular. 67 % der Unternehmen bevorzugen E-Mail. Aber: Lies die Stellenanzeige. Wenn dort steht „Bewerbung per Post“, dann sende keine E-Mail. Das ist der einfachste Grund, abgelehnt zu werden.

Bei E-Mail: Alle Unterlagen als PDF. Nicht als Word-Dokument. PDF bleibt gleich - egal auf welchem Gerät man es öffnet. Nenne die Dateien klar: „Max_Mustermann_Anschreiben_Lehrstelle_Bäckerei.pdf“. Kein „Dokument1.pdf“.

Bei Online-Formularen: Fülle alles aus. Selbst wenn es sich doppelt anfühlt. Manche Systeme ignorieren Anhänge, wenn du nicht alles in die Felder eingibst. Und: Kopiere nicht den Lebenslauf in das Freitextfeld. Schreibe dort ein kurzes, eigenes Anschreiben - maximal 300 Wörter.

Das Foto: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

78 % der Personaler sagen: Ein professionelles Foto ist entscheidend. Kein Selfie. Kein Schnappschuss am Strand. Kein Foto mit Sonnenbrille und Kapuze.

Ein gutes Foto ist:

  • Einzelbild - du allein, keine anderen Personen
  • Neutrales Hintergrund - Wand, weißer Hintergrund
  • Angemessene Kleidung - Business Casual: Hemd, Bluse, ordentliche Kleidung
  • Ein freundlicher, offener Gesichtsausdruck - nicht steif, nicht grinsend
  • Qualitativ gut - nicht verschwommen, nicht zu dunkel

Wenn du kein Foto hast: Gehe zu einem Fotografen, der Schülerfotos macht. Oder frage einen Freund, der gut fotografieren kann. Ein gutes Foto kostet 10-20 Euro - und kann dir eine Lehrstelle bringen.

Eine personalisierte Bewerbung wird in einen Briefkasten gesteckt, während andere generische Bewerbungen zerknüllt werden.

Die Fehler, die dich sofort ausscheiden

41 % der Bewerbungen werden wegen Rechtschreibfehlern direkt abgelehnt. Das ist kein Witz. Ein falsches „ß“ oder ein fehlendes Komma - das ist für viele Unternehmen ein Zeichen von Unachtsamkeit.

Die häufigsten Fehler:

  • Keine Unterschrift (ja, auch bei E-Mail! Du musst den Namen handschriftlich unterschreiben - scanne ihn ein oder nutze eine digitale Signatur)
  • Kein Datum
  • Generische Anrede: „Sehr geehrte Damen und Herren“ - das ist out. Suche den Namen des Ausbildungsleiters oder der Personalverantwortlichen auf der Website. „Sehr geehrte Frau Müller“ - das zeigt, dass du dich wirklich informiert hast.
  • Keine Anlagen: Nur das letzte Zeugnis reicht nicht. Füge auch das Zeugnis der 8. Klasse bei, wenn es besser war. Zeige, wie du dich verbessert hast.
  • Keine Kontaktdaten: Telefonnummer, E-Mail, Adresse - alles muss da sein.

Organisiere dich - und verfolge deine Bewerbungen

Du bewirbst dich bei 15 Unternehmen? Dann brauchst du eine Liste. Eine einfache Excel- oder Word-Tabelle. Spalten: Unternehmen, Adresse, Ansprechpartner, Stelle, Bewerbungsdatum, Methode (Post/E-Mail/Online), Status (eingesendet / Gespräch eingeladen / abgelehnt).

Du hast dich am 15. Januar beworben? Dann ruf am 28. Januar an. Frag höflich: „Ich habe mich am 15. Januar beworben - gibt es schon eine Entscheidung?“ Das zeigt Engagement. Die meisten warten einfach. Du machst den Unterschied.

Der Durchschnittsaufwand pro Bewerbung liegt bei 2,7 Stunden. 68 % davon geht für das Anschreiben drauf. Mach es gut. Mach es individuell. Mach es richtig.

Was du jetzt tun kannst

1. Suche heute noch drei Stellenanzeigen - nicht nur auf Ausbildungsmärkten, sondern direkt auf den Websites von Betrieben in deiner Stadt.
  • Prüfe dein Anschreiben: Ist es an ein konkretes Unternehmen gerichtet? Oder könnte es für jedes Unternehmen gelten? Wenn es letzteres ist, schreibe es neu.
  • Bitte jemanden um Korrektur: Ein Lehrer, ein Elternteil, ein älterer Bruder. Lass ihn nach Rechtschreibung, Grammatik und Klarheit schauen.
  • Erstelle deine Bewerbungsliste - mit Namen, Datum, Status.
  • Setze dir ein Ziel: Bis zum 1. März hast du 10 Bewerbungen abgeschickt. Dann wirst du eine Einladung bekommen.
  • Es ist kein Zufall, wer eine Lehrstelle bekommt. Es ist eine Frage von Vorbereitung. Wer genau hinschaut, wer individuell schreibt, wer fehlerfrei bewirbt - der bekommt den Platz. Du kannst das. Fang heute an.

    Wie viele Bewerbungen sollte ich schicken?

    Es gibt keine feste Zahl, aber die meisten erfolgreichen Bewerber senden zwischen 8 und 15 individuell angepasste Bewerbungen. Es geht nicht um Menge, sondern um Qualität. Eine gut gemachte Bewerbung hat mehr Chancen als zehn generische.

    Kann ich auch ohne Abschluss eine Lehrstelle finden?

    Ja, aber es ist schwieriger. Nur 28 % der Jugendlichen ohne Schulabschluss finden eine Ausbildung. Du brauchst dann besonders starke Praktika, klare Motivation und Unterstützung - etwa vom Jugendcoaching oder der Agentur für Arbeit. Zeige, was du kannst - nicht, was du nicht hast.

    Was mache ich, wenn ich keine Antwort bekomme?

    Nach zwei Wochen kannst du höflich nachfragen. Rufe an oder schreibe eine kurze E-Mail: „Ich habe mich am [Datum] beworben und wollte fragen, ob es schon eine Entscheidung gibt.“ Viele Unternehmen vergessen - ein sanfter Nachhaken hilft. Wenn du nach drei Versuchen keine Antwort bekommst, bewirb dich woanders.

    Soll ich ein Video-Bewerbung schicken?

    31 % der Unternehmen akzeptieren Videos - aber nur als Ergänzung. Mach es nicht, wenn du nicht sicher bist. Ein kurzes, ehrliches Video (max. 90 Sekunden) mit deinem Namen, deiner Motivation und einem Satz über deine Stärken kann helfen. Aber: Kein Theater. Kein Rap. Kein Lied. Einfach: wer du bist und warum du diesen Beruf willst.

    Warum werden Bewerbungen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund öfter abgelehnt?

    Es liegt nicht an der Herkunft, sondern oft an Sprachbarrieren und fehlenden Netzwerken. Viele wissen nicht, wie man sich richtig bewirbt. Deshalb ist es wichtig, sich Unterstützung zu holen - von der Schule, vom Jugendcoaching oder von Mentor:innen. Eine klare, fehlerfreie Bewerbung hebt dich über jede Vorurteil.

    1 Kommentare

    1. Kristine Lou

      Kristine Lou

      ich hab mein anschreiben letzte woche nochmal komplett umgeschrieben nach deinen tipps und jetzt endlich ne einladung zum vorstellungsgespräch 🥲 war echt krass wie viel difference es macht wenn man nicht nur irgendwas hinklatscht

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