Was genau wird in der Matura vom Klimawissen verlangt?
Die Matura in Österreich ist keine Prüfung, bei der man einfach Fakten auswendig lernt und wiederholt. Es geht um Klimawissen, das man verstehen, anwenden und kritisch hinterfragen kann. Seit 2016/17 wird die Reifeprüfung kompetenzorientiert gestaltet - das heißt, es wird nicht mehr nur abgefragt, was du weißt, sondern wie du es nutzt. Im Fach Geographie und Wirtschaftskunde (GWK) ist der Klimawandel ein zentraler Pflichtthemenbereich. Du musst nicht nur wissen, was Treibhausgase sind, sondern auch, wie sie die Landwirtschaft in der Steiermark beeinflussen oder warum die Alpengletscher schmelzen und was das für die Wasserversorgung in Wien bedeutet.
Die drei Anforderungsbereiche - von Wissen bis Problemlösung
Die Prüfung teilt sich in drei klar definierte Bereiche auf, die immer mehr Komplexität verlangen. Im Anforderungsbereich I musst du grundlegende Begriffe erklären - zum Beispiel, was ein Klimadiagramm ist oder wie man Klimazonen anhand von Temperatur und Niederschlag unterscheidet. Das ist das Fundament. Aber das reicht nicht, um eine gute Note zu bekommen.
Im Anforderungsbereich II geht es um Verknüpfungen. Du bekommst ein Klimadiagramm aus der Schweiz und eines aus der Türkei und musst zeigen, warum sie sich unterscheiden. Du analysierst eine Karte mit Temperaturentwicklungen in Österreich seit 1960 und musst erkennen, wo die stärksten Erwärmungen stattfinden. Du verbindest Daten - und das ist oft der Punkt, an dem viele Schüler:innen scheitern, weil sie nicht gelernt haben, wie man Muster erkennt.
Im Anforderungsbereich III wird es ernst. Hier musst du Probleme lösen. Ein typisches Beispiel: Du bekommst eine Situation, in der ein Dorf in den Alpen durch häufigere Lawinen und Schneeschmelze seine Wasserleitungen beschädigt sieht. Du musst die Ursachen analysieren (Klimawandel, Entwaldung, Infrastruktur), die Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft (Tourismus, Landwirtschaft) bewerten und dann eine Lösung vorschlagen - etwa den Bau von Auffangbecken, die Wiederbegrünung von Hängen oder die Umstellung auf wasserfreundlichere Landwirtschaft. Und du musst erklären, warum deine Lösung besser ist als andere. Das ist kein Auswendiglernen mehr - das ist echte Problemlösung.
Praktische Beispiele aus der Prüfung
Ein konkretes Prüfungsbeispiel aus dem offiziellen Leitfaden fragt: „Beschreibe die Wechselwirkungen zwischen Relief, Klima, Boden, Wasser und Vegetation in den österreichischen Alpen.“ Das klingt abstrakt - ist es aber nicht. Du musst wissen, dass steile Hänge schneller abfließendes Wasser haben, was die Bodenbildung hemmt. Dass kältere Temperaturen in der Höhe die Vegetationsperiode verkürzen. Dass Schnee als natürlicher Speicher dient und sein Rückgang zu Sommerdürren führt. Und dass das alles zusammen die Landwirtschaft, den Tourismus und die Energieproduktion (Wasserkraft) beeinflusst.
Ein anderes Beispiel: Du bekommst ein Klimadiagramm von Innsbruck und eines von Wien. Du musst nicht nur sagen, dass Innsbruck kälter ist - du musst erklären, warum das so ist (Höhe, Gebirgslage), wie sich das auf die Energiekosten für Heizung auswirkt und wie sich das auf die Lebensqualität der Menschen auswirkt. Das ist Klimawissen - nicht als Theorie, sondern als Teil des Alltags.
Warum ist das so wichtig - und wie hängt es mit der Politik zusammen?
Österreich hat sich im Pariser Klimaabkommen verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 36 Prozent zu senken. Das ist kein abstrakter Vertrag - das ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Die Matura prüft deshalb nicht nur Naturwissenschaften, sondern auch Politik und Wirtschaft. Du musst verstehen, warum die CO₂-Steuer funktioniert oder warum ein Kohlekraftwerk in der Nähe von Graz politisch umstritten ist. Du musst wissen, dass die EU mit dem „Green Deal“ auch Bildung verändert - und die Matura ist ein Teil davon.
Die Bundesregierung hat festgelegt: Mindestens 20 Prozent der Punkte in der GWK-Matura müssen sich auf Klimathemen beziehen. Ab dem Schuljahr 2025/26 wird dieser Anteil auf 25 Prozent steigen. Das ist kein Zufall. Es ist eine klare Botschaft: Wer in Österreich die Matura macht, muss verstehen, was mit unserem Klima passiert - und warum das jeden betrifft.
Was machen Schulen konkret, um dich darauf vorzubereiten?
Einige Schulen haben das längst verstanden. Die HTL Hollabrunn zum Beispiel hat ein Projekt gestartet, bei dem Schüler:innen lokale Wetterdaten aus ihrer Heimatregion sammeln - aus dem eigenen Garten, vom Nachbargarten, von der Schule. Sie vergleichen diese mit Daten des Österreichischen Zentrums für Klimaänderungen und erstellen eigene Klimadiagramme. Das ist nicht nur spannend - das ist genau das, was in der Matura gefordert wird: Eigeninitiative, Datenanalyse, Transfer.
In Wien hat die GRG 23 ein Modul entwickelt: „Klimawandel in den Alpen“. Schüler:innen untersuchen, wie sich der Rückzug der Gletscher auf die Tourismusbranche auswirkt. Sie interviewen Hoteliers, Bergführer, Landwirte. Sie schauen sich an, wie viele Wanderwege wegen Lawinengefahr geschlossen werden. Und dann formulieren sie Empfehlungen - für die Gemeinde, für die Landesregierung. Das ist Anforderungsbereich III in Reinform.
Und es gibt Unterstützung: Die KLAR!-Initiative des Klima- und Energiefonds fördert Schulen in Klimamodellregionen mit Materialien, Expert:innen und sogar Beratung. Schulen, die solche Projekte machen, erreichen in der Matura durchschnittlich 15 Prozent bessere Ergebnisse im Klimawissen-Bereich - das zeigt: Praxis funktioniert.
Wo hakt es noch?
Nicht alles ist perfekt. Einige Lehrkräfte berichten, dass sie nicht genug Zeit haben, um komplexe Themen wie die sozialen Ungleichheiten im Klimawandel zu vertiefen. Wer in einem reichen Stadtteil wohnt, hat andere Erfahrungen als jemand aus einem ländlichen Gebiet mit geringer Infrastruktur. Doch diese Perspektive fehlt oft im Lehrplan.
Experten wie Dr. Thomas Mayer von der Universität Salzburg kritisieren: „Derzeit ist das Klimawissen in der Matura zu sehr naturwissenschaftlich geprägt. Die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Dimensionen kommen zu kurz.“ Das stimmt. Du solltest nicht nur wissen, dass CO₂ die Erde erwärmt - du solltest auch verstehen, warum manche Länder mehr emittieren als andere, warum Klimaschutz teuer ist und warum es oft an politischem Willen scheitert.
Die Österreichische Geographische Gesellschaft fordert daher: „Mehr lokale Daten. Mehr Bezug zur eigenen Region.“ Warum? Weil du dich besser an etwas erinnerst, wenn es dich persönlich betrifft. Wenn du weißt, dass dein Lieblingswanderweg in den Wiener Alpen in zehn Jahren möglicherweise nicht mehr begehbar ist, dann wird das Thema real - und nicht nur eine Prüfungsfrage.
Was kommt als Nächstes?
Die Zukunft des Klimawissens in der Matura wird noch breiter. Ab 2026 sollen die 17 Ziele der UN-Agenda 2030 - besonders SDG 13 (Klimaschutz) und SDG 4 (Bildung für nachhaltige Entwicklung) - vollständig in die Prüfungen integriert sein. Das bedeutet: Klimawissen wird nicht mehr nur in Geographie geprüft, sondern auch in Biologie (Ökosysteme), Physik (Energieumwandlung) und Politischer Bildung (Klimapolitik).
Und es gibt neue Angebote: Seit 2023 gibt es die Ausbildung zum „Klimapädagogen“ von Klimabündnis Österreich. Mehr als 1.200 Lehrkräfte wurden 2023 allein im Rahmen von „Hal-lo Klima!“ geschult - das sind fast 400 Schulen. Das zeigt: Die Systematik verändert sich. Es geht nicht mehr nur um die Prüfung - es geht um die Bildung.
Was kannst du tun, um dich optimal vorzubereiten?
- Verstehe die drei Anforderungsbereiche - nicht nur was sie sind, sondern wie du sie in deiner Antwort nutzt.
- Arbeite mit echten Daten - lade dir Klimadiagramme von der ZAMG herunter, vergleiche sie mit deiner Heimatregion.
- Verknüpfe Themen - Klimawandel und Tourismus? Klimawandel und Landwirtschaft? Klimawandel und Gesundheit? Suche die Verbindungen.
- Übe Problemlösung - stell dir vor, du bist Bürgermeister:in eines Dorfes, das von Überschwemmungen betroffen ist. Was tust du? Schreibe es auf.
- Gehe über den Lehrplan hinaus - lies lokale Nachrichten über Klimaereignisse, schau dir Dokumentationen an, sprich mit Erwachsenen über ihre Erfahrungen.
Warum das alles für dich zählt
Du lernst nicht nur für eine Prüfung. Du lernst, wie die Welt funktioniert - und wie du sie verändern kannst. Klimawissen ist kein Fach, das du nach der Matura vergisst. Es ist eine Grundkompetenz für dein Leben - egal, ob du später Ingenieur:in, Lehrer:in, Unternehmer:in oder Politiker:in wirst. Wer die Matura in Österreich macht, wird nicht nur gebildet - er wird mündig gemacht. Und das ist der eigentliche Sinn der Prüfung.
15 Kommentare
Steffi Hill
Endlich mal was Vernünftiges im Lehrplan. Ich find's krass, dass wir in der Schule lernen, wie man Klimadiagramme liest, aber nicht, wie man mit dem Ergebnis was macht. Endlich wird’s praktisch.
Christian Torrealba
Das ist mehr als Bildung. Das ist Hoffnung. 🌱 Wenn Kinder verstehen, dass ihr Garten, ihre Berge, ihre Träume vom Klima abhängen, dann wird aus Wissen Tat. Und das ist der einzige Weg, der zählt.
Stefan Johansson
Ah ja, Klimawissen in der Matura. Weil das doch sicher die Lösung für alle Probleme der Welt ist. 🙄 Nächstes Jahr kommt dann noch: 'Erkläre, warum dein Handy nicht mehr lädt, weil die Gletscher schmelzen'.
Jamie Baeyens
Ihr denkt, das ist Bildung? Nein. Das ist ideologische Gängelung. Wer sagt, dass CO₂ das Problem ist? Vielleicht ist es die menschliche Arroganz, die glaubt, sie könne das Klima kontrollieren. Und jetzt wird’s zur Prüfung. Genial.
Gerhard Lehnhoff
Lol, 25% Klima in der Matura? Und wer hat das entschieden? Die Grünen? Die Lehrer? Die Schüler? Keiner! Aber jetzt muss man das lernen wie die 10 Gebote. Ich hab 2020 noch Mathe gelernt, heute muss ich über Schneeschmelze in der Steiermark essayen. Absurd.
Anton Deckman
Ich find’s super, dass die Schulen endlich anfangen, echte Projekte zu machen. Mein Sohn hat letztes Jahr mit einer Gruppe Wetterdaten aus dem Dorf gesammelt und ein Diagramm gebaut. Hat nie so gut in Geographie abgeschnitten. Das macht Sinn. Nichts auswendig, sondern verstehen.
Alexandra Schneider
ich liebe dass die schulen jetzt mit echten daten arbeiten. meine tochter hat letzte woche ein diagramm von ihrem ort gemacht und es war so cool zu sehen wie viel wärmer es jetzt im juni ist als vor 10 jahren. so wirds lebendig :)
Michelle Fritz
Das ist totaler Unsinn. Wer braucht das? Wir sind kein Umweltseminar. In meiner Zeit hat man Geographie gelernt, nicht Politik. Und jetzt sollen Kinder über CO₂-Steuer und Green Deal schreiben? Das ist ideologische Gehirnwäsche. Kein Wunder, dass die Jugend so verunsichert ist.
Karoline Abrego
Zu viel Theorie. Keine Zeit fürs Wesentliche.
sylvia Schilling
Es ist so traurig, dass man erst jetzt erkennt, dass Klimawandel kein abstraktes Thema ist, sondern die Lebensgrundlage von Menschen. Ich hab in den 90ern gelernt, dass Gletscher ewig sind. Jetzt muss mein Neffe lernen, dass sie verschwinden. Das ist kein Lernziel, das ist eine Tragödie.
Elien De Sutter
Ich war letztes Jahr in Salzburg und hab mit einer Lehrerin geredet, die mit Schülern die Gletscher dokumentiert hat. Die Kinder haben Tränen in den Augen gehabt, als sie sahen, wie viel zurückgegangen ist. Das ist nicht nur Bildung. Das ist Herz. Und das ist, was zählt.
Sabine Kettschau
Manchmal frag ich mich, ob wir nicht einfach zu viel machen. Die Welt wird nicht besser, weil Kinder Klimadiagramme zeichnen. Sie werden besser, wenn sie lernen, zu denken. Und nicht, was sie denken sollen. Die ganze Matura wird zur Propagandamaschine. Und wer sagt, dass der Klimawandel nicht Teil eines natürlichen Zyklus ist? Niemand. Weil alle Angst haben, die Frage zu stellen.
Max Weekley
Ich find’s gut, dass man endlich die Verbindungen zeigt. Aber warum nicht auch die Wirtschaft? Warum nicht, dass Klimaschutz Milliarden kostet? Warum nicht, dass manche Länder mehr emittieren als andere? Das ist doch die echte Frage.
Stefan Sobeck
cool dass die schulen jetzt mit echten daten arbeiten. mein bruder hat letztes jahr bei der matura ein projekt über seine wohngegend gemacht und hat ne 1 bekommen. endlich was was man auch später braucht :)
Francine Ott
Es ist erhebend, dass Bildung endlich auf Nachhaltigkeit ausgerichtet wird. Die Integration der SDGs in die Matura ist kein politischer Akt, sondern eine ethische Notwendigkeit. Schüler:innen müssen lernen, Systeme zu verstehen - nicht nur Fakten zu reproduzieren. Dieser Ansatz fördert nicht nur Wissen, sondern Verantwortung. Die Zukunft ist nicht abstrakt. Sie wird in Klassenzimmern geformt - und diese Reformen sind ein Meilenstein.